Holger Gerstl-Dos Santos – ein extrem rechter Facebookaktivist

Am Samstag, den 06. Juni 2020 ruft Holger Gerstl-Dos Santos erneut zu einer verschwörungsideologischen Kundgebung in Regensburg auf.

Auf der Demonstration von Ines Graßl durch die Altstadt am 02. Mai 2020 trat Gerstl-Dos Santos, verkleidet als „Froschkönig“, zum ersten Mal im Zuge der Corona-Proteste als Redner auf. Schon am 19. April stellte sich Gerstl-Dos Santos – als weiblicher Weihnachtsmann – auf den Domplatz und lud seine Rede ohne Publikum, bei der er sich gegen die Coronamaßnahmen der Regierung aussprach, auf Facebook. Am 09. und 16. Mai hatte Gerstl-Dos Santos selbst Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmer_innen unter dem irreführenden Namen „Solidarität mit den Corona-Opfern“ angemeldet. Unter diesem Titel lief auch ein Rave am 20. Mai mit dem Goa-DJ Malte Lehmann (Tatonkaa).

Dass der verschwörungsideologische extrem rechte Facebookaktivist und seine Anhänger_innen sich dabei selbst als die „Opfer“ der Corona-Krise sehen, wird mit einem Blick auf seine Äußerungen in Sozialen Medien deutlich. Wie viele der Corona-Aktivist_innen hängt er verschiedenen Verschwörungstheorien an. Darüber hinaus postet er auf seiner Facebook Seite viele extrem rechte Inhalte, darunter auch Post die als Verherrlichung der Shoa betrachtet werden können und somit strafrechtlich relevanten Charakter haben.

Im aktuellen Protest ist Gerstl-Dos Santos in den Regensburger Telegramgruppen von Wiederstand2020 und den Corona-Rebellen Mitglied und aktiv. In der neuen, in der Verschwörungs-Szene entstandenen selbsternannten „Partei“ Widerstand 2020 ist er wohl ebenfalls Mitglied.

Gerstl-Dos Santos ist laut eigener Aussage ehemaliger Soldat und wohnt in der Greflingerstr. 7 in 93055 Regensburg. Er teilt auf seiner Facebookseite am Tag bis zu 10 Beiträge, die allermeisten davon haben einen Bezug zur AfD, sind von extrem rechte Medien oder thematisieren Inhalte der extremen Rechten.

Seine Tätigkeit als Schöffe im Amtsgericht Regensburg ist in Anbetracht der im Folgenden aufgeführten Äußerungen mehr als problematisch.

Rassismus

Gerstl-Dos Santos behauptet, es fände eine „Islamisierung“ in Deutschland statt, Geflüchtete beschreibt er mit den Worten „Sie verachten uns! Sie lähmen uns! Sie beuten uns aus!“. Er glaubt daran, dass Geflüchtete krimineller als Menschen mit deutschem Pass sind und schreibt darüber hinaus von einer „Asylindustrie“, die an Einwanderung interessiert sei. Sein Fazit: „Sich seine Familie, Freunde und das Hab und Gut sichern. Im Übrigen: ich koche sehr gerne und bin ausgebildeter Scharfschütze“. Dazu postet er ein Bild mit einem großen Küchenmesser.

NS-Gleichsetzung

Aktuell ist seine Facebook-Timeline ausschließlich mit dem Thema Corona gefüllt. Dabei vergleicht er die Shoa und den Nationalsozialismus immer wieder mit den aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus:

„Dr. Mengele‘s ’Geistige Erben‘ scheinen auch noch unter uns zu sein … Also weitere Verbrecher.“

„Eine ‚Corona‘-App wäre nichts anderes. Pfui Teufel!“ – zu einem Bild, das die Kennzeichnung der verschiedenen Gefangenen in Konzentrationslagern zeigt,

„Hitler‘s Holocaust war im Vergleich wahrlich ein ‚Klacks‘. Beides abscheulich“

Die regelrechte Obsession, sich selbst an die Stelle von antisemitisch diskriminierten Jüdinnen und Juden stellen zu wollen, zeigte sich auch auf seiner Kundgebung am 16. Mai, bei der ein Ordner einen gelben Stern mit der Aufschrift „Nicht Corona-geimpft“ trug. Gerstl-Dos Santos ist laut eigener Aussage „stolz“ darauf und nennt den Ordner ein Vorbild für die Gesellschaft. Eine weitere Gleichsetzung betreibt er, in dem er bei einem Post eine „Corona-App“ mit der Kennzeichnung von KZ-Häftlingen gleichsetzt.

NS- und „Deutsches Reich“ Affinität

Auch zeigt Gerstl-Dos Santos eine Affinität zu Elementen des Nationalsozialismus. Er postete ein Bild vom „Volksempfänger VE 301“ und auf seinem YouTube-Account favorisiert er die Playlist „Deutsche Lieder, Dritten Reich Zeit“. In den letzten Wochen postete er zudem ein Bild mit einem Zitat von Bismarck, das die deutsche „Volksgemeinschaft“ beschwört. Auch andere Spektren der extremen Rechten und Inhalte teilt Gerstl-Dos Santos, so z.B. eine Rede eines sogenannten „Reichsbürgers“.

Verschwörungsideologischer Antisemitismus

Gerstl-Dos Santos glaubt an den Mythos der mächtigen Strippenzieher bzw. Eliten (wie Rockefeller), die in Deutschland im Hintergrund die Fäden ziehen würden. Diese identifiziert er beispielsweise mit ausländischen Investoren und möchte sie aus

„’humanen Gründen’ […] [in] eine Art Reservat bzw. Ghetto“

sperren. Im Anschluss schreibt er noch die Worte

„Niemand auf der Welt braucht volksundienliche Volksdespoten“.

All dies ähnelt stark der nationalsozialistischen Sichtweise auf Juden und Jüdinnen und dem Umgang mit ihnen und weiteren Opfergruppen im Nationalsozialismus.

Aber auch andere (gängige) Verschwörungsmythen – 5G, Bill Gates impft Mikrochips, 9/11 als Insidejob – verbreitet er. Zudem glaubt Gerstl-Dos Santos an die antisemtische QAnon Theorie, die besagt, Eliten brächten in geheimen Bunkern Kinder um, um den Stoff Adrenochrom herzustellen. Dieser Verschwörungsmythos hat seinen Ursprung in der extremen Rechten in den USA und knüpft an die antijudastische These des „Juden als Kindermörder“ an.

Klassischer und sekundärer Antisemitismus

Am 11. Oktober 2019 postet er ein Bild, auf dem das im Todeslager Ausschwitz eingesetzte Giftgas Zyklon B zu sehen ist. Der Text dazu ist wirr, kann aber als Drohung, bei „weiterer Idiotie“ Menschen zu vergasen, gelesen werden. Er schreibt:

„Mit dieser sich aus der langsam reaktiv, rebellierenden, postnatal erscheinenden Nachbrut macht das Leben vermutlich künftig wenig Freude. Die Opas ahnten dies und deshalb haben die fürsorglichen Opas natürlich für die „persönliche Entlausung“ ihrer individuellen Nachbrut vorgesorgt. Es ist genug für alle da- definitiv. Als „höllisch“ beschreibt die Literatur die Wirkung, die ca. ein Viertelstündchen andauern soll- beginnend mit einer Verätzung des Magens bei oraler Applikation“.

Fazit

Auf seiner Facebookseite postet Gerstl-Dos Santos täglich extrem rechte Beiträge, die allermeisten davon haben einen Bezug zur AfD, zu extrem rechte Medien oder thematisieren Inhalte der extremen Rechten. Einige der Inhalte können als Verherrlichung der Shoa betrachtet werden und somit möglicherweise strafrechtlich relevanten Charakter haben. Bei all diesen extrem rechten Inhalten ist es unverständlich, dass Leute aus seinem Umfeld ihn noch immer nicht als „Rechten“ sehen wollen. Auch seine Tätigkeit als Schöffe im Amtsgericht Regensburg ist unverständlich.

Quellen: Screenshots Facebook, YouTube, Telegram

anita f. – Juni 2020

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