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Recherche zu den verschwörungsideologischen Versammlungen: Teil II

 

In unserem Teil I über die verschwörungsideologischen Versammlungen warfen wir einen Blick auf Inhalte und Strukturen der Proteste gegen die sogenannte „Corona-Diktatur“ in Regensburg in ihrer Anfangsphase. Vor allem aufgrund der Heterogenität der beteiligten Personen war in den ersten Wochen schwer ersichtlich, wie sich die Struktur zusammensetzt und welche Personen eine tragende Rolle bei den Protesten einnehmen. Mittlerweile konsolidiert sich der daraus erwachsene Zusammenschluss „denkMal“ weiter, weshalb wir auch deren Strukturen genauer unter die Lupe genommen haben.

 

Strukturelle Änderungen…

Nach Ines Graßl, die bei den ersten beiden unangemeldeten Spaziergängen als maßgebliche Akteurin in Erscheinung trat, übernahm ab dem 9. Mai Holger Gerstl-Dos Santos über drei Wochen hinweg die Anmeldungen und leitete auch die Kundgebungen. Aufgrund interner Unstimmigkeiten über das weitere Vorgehen und die grundsätzliche Ausrichtung der Proteste kam es Ende Mai jedoch zum Bruch zwischen Gerstl-Dos Santos und den übrigen Veranstalter:innen. Seitdem ist Gerstl-Dos Santos nur noch stiller Teilnehmer der Kundgebungen am Domplatz. Zudem veranstaltet er immer wieder eigene, spärlich besuchte „Events“ (u.a. auf dem Dultplatz, dem Grieser Spitz und vor dem Haus der Bayerischen Geschichte), an denen auch regelmäßig Domplatz-Teilnehmer:innen partizipieren.

Bereits seit dem dritten Protestwochenende am 9. Mai finden sich regelmäßig zwischen 7 und 20 Personen als angemeldete Kundgebung auf der Steinernen Brücke ein. Als Verantwortliche scheint hier eine laut eigener Aussage praktizierende Ärztin (sie sei zudem Juristin) zu agieren. Annette ist von Beginn an bei den Protesten dabei und tritt als klare Impfgegnerin auf, die in Bill Gates einen geheimen Strippenzieher sieht. Auf den Brücken-Kundgebungen, die stets als Vortreffen für die Kundgebungen am Domplatz fungieren, nahmen bislang großteils die selben Personen Teil. Auf Schildern wurden Corona-Maßnahmen bereits als „Euthanasie“ und „Bevölkerungsreduktionsmaßnahmen“ bezeichnet. Regelmäßig wird auch vor einem angeblich drohenden Impfzwang gewarnt. Das Thema ist auch eine tragende Säule bei den Kundgebungen am Domplatz.

 

… und die Formierung von „denkMal“

Nachdem Gerstl-Dos Santos am 16. Mai zum letzten Mal eine größere Kundgebung organisierte, traten in der Folge Andreas Sünder und Christian Jecht als Akteure in Erscheinung. Sünder kann als klassischer Verschwörungsideologe bezeichnet werden. Auch Jecht verbreitet Verschwörungsmythen, bezieht sich zusätzlich aber immer wieder auf seine ehemalige Tätigkeit als Soldat, um seinen vermeintlichen Einsatz für die Grundrechte mit seinem früher geleisteten Eid zu rechtfertigen. Heute betreibt Jecht das Nachhilfeinstitut pauk-welt in Regensburg. Beide nahmen bereits zuvor an Kundgebungen teil, wodurch sie laut eigener Aussage in Kontakt kamen. Tatsächlich scheinen die Demonstrationen gerade zu Beginn ein wichtiges Vernetzungstreffen gewesen zu sein. Da viele Personen zuvor politisch nicht in Erscheinung getreten sind, kann vermutet werden, dass die Versammlungen und auch die zugehörigen Telegram-Channels ein wichtiges Medium zur weiteren Politisierung waren. Die „neuen“ Kontakte können somit als wichtige Selbstbestätigung bewertet werden, die die eigene Wahrheit zusätzlich legitimierte.

Am 23. Mai fungierte Sünder zum ersten Mal als neuer Anmelder der Kundgebungen am Dom. Jecht, der bereits am 16. Mai eine Rede hielt, und Sünder traten in der Folge mehrfach als Redner auf. Beide versuchten den Kundgebungen eine professionellere Außenwirkung zu verleihen. Das wurde im weiteren Verlauf auch durch einen Pavillion und ein Banner mit einem eigenen Logo der Struktur „denkMal.“ verstetigt.

Das Logo von „denkMal“

Mit Fortschreiten der Versammlung verfestigte sich auch die Struktur. Neben Jecht und Sünder traten allmählich weitere Personen vor Ort aktiv als Ordner:innen, als Organisierende oder als Redner:innen auf. So sprachen mittlerweile Sarah Dobler, ihr Vater Adi Dobler (der seinen Artikel im Donaustrudl vorstellte), Luca Amann (der jüngste Beteiligte, der die strukturell antisemitischen Soros-Verschwörung verbreitete, mehr hier), Lucy Frank (Lehrerin am Music College, die die Kundgebung regelmäßig musikalisch begleitet), Clarissa Schubart (die auf ihrem Telegrammkanal extrem rechte Inhalte verbreitet, mehr hier) und Sophie Ferstl (deren extrem rechte Aktivitäten auf Twitter wir hier aufgedeckt haben) am Domplatz. Weitere beteiligte Personen sind Rebekka Bemmerl und Sandra Eckert. Sarah Dobler und Amann beteiligen sich von Beginn an an den Protesten, fungierten schon mehrfach als Ordner:innen und beteiligten sich an der Busfahrt nach Berlin zur Demonstration am 01.08.

Frank und Schubart traten zunächst lediglich bei den Meditationsdemonstrationen auf dem Caravan-Denkmal am Neupfarrplatz in Erscheinung. Nachdem Schubart sich aus deren Organsiation zurückgezogen hatte, nahmen auch die Meditationen ein Ende. Mittlerweile ist Schubart fester Teil von „denkMal.“.

Nachem Ines Graßl bereits nach der zweiten Versammlung scheinbar nicht mehr auftrat, ist auch sie seit einigen Wochen wieder am Domplatz zugegen und als Mitorganisatorin auszumachen. Sie tritt nicht aktiv in Erscheinung. Allerdings hat sie laut Aussage eines Gastredners aus Roding am 11. Juli die Vernetzung zwischen verschiedenen Ortsgruppen aktiv vorangetrieben. Graßl ist bereits seit mehreren Jahren im Impfgegner:innenmileu aktiv und dürfte eine der politisch erfahrensten Personen der Regensburger Proteste sein.

 

Inhaltliche Positionierung

Inhaltlich bleiben die Kernthemen die Verharmlosung des Coronavirus, das Verbreiten von (auch strukturell antisemitischen) Verschwörungsmythen, die Relativierung des Nationalsozialismus und völkisch-nationalistische und biologistisch-rassistische Narrative. Diese Inhalte werden häufig über eine esoterische (Lucy Frank) oder christlich-religiöse (Roland Weikl) Grunderzählung vermittelt, bemühen sich manchmal aber auch um ein vermeintlich rationales Bild (Christian Jecht). Diese unterschiedlichen Weltbilder haben bereits zu Irritationen geführt, als in zwei Fällen inhaltliche Texte zunächst veröffentlicht, innerhalb weniger Minuten gelöscht und in zum Teil deutlich abgeänderter Form wieder online gestellt wurden (eine genauere Analyse veröffentlichten wir hier). Dass diese Widersprüche bislang nicht zum Bruch innerhalb der Struktur geführt haben, kann u.a. auf zwei Punkte zurück geführt werden.

So nehmen Begriffe wie „Liebe“, „Freiheit“ und „Wahrheit“ zwar eine sehr wichtige Rolle in den Reden, den veröffentlichten Texten und auch auf Schildern ein. Gleichzeitig scheint eine inhaltliche Auseinandersetzung über deren unterschiedliche Interpretationen nicht stattzufinden. Somit kann eine esoterische Auffassung von Freiheit sehr wohl mit einem eher rationalen Verständnis des Begriffs kooperieren. Dass diese Koexistenz dauerhaft Probleme aufwerfen wird., bezeugen die bereits erwähnten Abänderungen inhaltlicher Dokumente.

Als grundsätzlich einendes Band fungieren die diversen Verschwörungsmythen, die auf dem Domplatz und insbesondere in den Chatgruppen weiterhin rege Verbreitung finden. Für die einen ist es eine drohende kommunistische Diktatur (Sünder), für andere die Weltelite von George Soros (Amann) und Konsorten oder eben Bill Gates und dessen Pharmaimperium. Die Personen(-Gruppen) sind austauschbar. Doch am Ende sind sie sich einig, dass die Medien gesteuert und die Politik mit irgendwelchen sinistren Mächten unter einer Decke stecken. Der gemeinsame Feind eint im Kampf. Der Widerstand gegen die als bewusste Unterdrückung empfundenen Zustände sind das einende Band der Protestteilnehmer:innen.

Schoa-Relativierungen und NS-Vergleiche

Aus diesem Zwang zum Widerstand werden folglich permanent relativierende Vergleiche mit der DDR und insbesondere dem Nationalsozialismus gezogen. Die Kombination aus Verschwörungsideologie und deutschem Nationalismus führt hier immer wieder zu der (paradoxen) Situation, dass Antisemit:innen ihre eigene Position mit der von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleichsetzen. Es folgt eine Zitatesammlung:

Foto: regensburg-digital

„Nicht Corona-geimpft“
– Aufschrift eines sogenannten Judensterns an der Kleidung eines Ordners auf der Kundgebung von denkMal am 16.05.2020

„Diese einseitige, monopole Berieselung in Öffentlich-Rechtlichen erinnert mich fatal an Deutschlands finsterste Zeiten, an den Stürmer, an die Judenhetze bei Tag und Nacht.“
– Adi Dobler auf der Kundgebung von denkMal am 13.06.2020

„Wenn ich mir das vorstelle, mit dem angeblich kommenden Immunitätsausweis (…) dann sind wir bald so weit wie 1933, wo kleine Gruppen, die anders dachten oder eine andere Religion hatten, ausgegrenzt wurden.“
– Marion Schneider auf der Kundgebung von denkMal am 27.06.2020

„Im Jahr 1933-1945 war Adolf Hitler mit seinen Schergen für das Massendenken (??) verantwortlich. Geprägt nach Rache für den verlorenen ersten Weltkrieg und der Gier nach Macht hat er 60 Millionen Menschen in Ghetto getrieben.“
– Stefan auf der Kundgebung von denkMal am 27.06.2020

„Hätte sein [Stauffenbergs] Attentat 1944 Erfolg gehabt, hätte er vielleicht 30 Millionen Menschen das Leben retten können. (…) Es wird immer Leute wie uns geben, die den Mut haben, auf ihr Herz zu hören und heute stehen wir hier und entlarven ihre Lügen und wir haben den Mut, die Wahrheit anzuschauen.“
– Stefan auf der Kundgebung von denkMal am 27.06.2020

„Ich hab keinen Geschichte Leistungskurs gehabt, aber ich kann mich dran erinnern, so ein Symbol [zur Kennzeichnung negativ auf Corona getesteter Schüler_innen] gab es bereits.“
– Daniela Folkinger auf der Kundgebung von denkMal am 11.07.2020

„Wir haben uns doch vorgenommen, dass die Zustände, die wir 1930-45 hier hatten, nie mehr Realität werden sollen. Aber wir sind genau dabei! (Applaus) Und liebe Frau Merkel, da hilft die Millionste Kranzniederlegung an irgendeinem Denkmal überhaupt nichts, wenn Sie uns genau wieder in diese Strukturen führen.“
– Daniela Folkinger auf der Kundgebung von denkMal am 11.07.2020

 

Ausblick

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Regensburger Proteste bereits seit längerem von einem festen Personenkreis organisiert werden, dem weitere Personen zuzurechnen sind, die u.a. als Ordner:innen auftreten. Während ab Mitte Mai zunächst Sünder und Jecht die Proteste dominierten, trauen sich mittlerweile weitere Personen, aktiv in Erscheinung zu treten und im Namen von „denkMal.“ zu sprechen. Mit Fortschreiten der Proteste ist zudem eine deutliche Radikalisierung festzustellen. Dies lässt sich besonders gut an den Reden von Andreas Sünder, aber auch an Clarissa Schubart feststellen. Während Sünder immer deutlicher nationalistische und antikommunistsche Aussagen tätigt, fordert Schubart alle Mitmenschen auf, doch endlich „aufzuwachen“ und die „Wahrheit“ zu erkennen.

Die Teilnahmezahlen sind im Vergleich zur Anfangsphase der Proteste stark gesunken. Aktuell scheint es denkMal zu gelingen, den Protest durch einen stärkeren Fokus auf ostbayerische Vernetzung (wochenweise Unterstützung der Kundgebungen in anderen Städten, nur monatliche Mobilisierung in Regensburg) sowie gemeinsame Fahrten zu „Großkundgebungen“ in Berlin über den Sommer zu retten. Ob der Zusammenschluss von einem erwarteten Anstieg der Infektionszahlen im Herbst profitieren wird, bleibt abzuwarten.

2020.07.11 // Redebeitrag

Redebeitrag über Verschwörungsmythen, deutschen Nationalismus und Antisemitismus, gehalten auf der Kundgebung der Initiative gegen Rechts am 11.07.2020 in Regensburg

Die Behauptung einer „Corona-Diktatur“ ist unter den Teilnehmer_innen und Aktiven der Corona-Proteste Konsens. Auch wenn es bei Teilnahmezahlen von mehreren Hundert nicht möglich ist, alle Teilnehmenden miteinzubeziehen und diese sich aus diversen Spektren zusammensetzen, zeichnen sich doch zwei Kernaussagen ab: Die Behauptung einer Verschwörung durch eine kleine, die Menschheit beherrschende Elite (“New World Order”) und die gleichzeitige Selbstinszenierung als erleuchteter Kreis und aufgeweckte Schafe, der sich heroisch gegen das Unrecht, den moralischen Verfall und die Eliten der NWO auflehnt.

Ersteres geht im Kern auf den antisemitischen Mythos der jüdischen Weltverschwörung zurück, bei dem Antisemit_innen „die Juden“ als übermächtig, gierig, skrupellos und unmenschlich charakterisieren. Der kleinen (häufig jüdischen) Elite wird dermaßen viel Macht zugeschrieben, dass jede noch so absurde Verschwörungserzählung plausibel scheint. Inhaltlich dominieren bei den Corona-Rebellen sogenannte Impfkritiker_innen mit ihrer Verschwörungserzählung über Bill Gates und dessen Stiftung. Ihm wird der Plan unterstellt, alle Menschen durch Zwangsimpfungen mit RFDI Chips zu versklaven oder die Weltbevölkerung mit Hilfe von Impfungen zu dezimieren. Auch die Verschwörungsideologie um QAnon (laut der eine Elite unterirdisch Kinder hält, quält und tötet, um ein Verjüngungsserum aus ihnen zu gewinnen) ist bei den Demonstrant_innen in Regensburg beliebt.

Die sogenannte “Corona-Lüge” und die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sollen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Machtbestrebungen der sogenannten NWO spielen und den Widerstand brechen. So werden in den Telegramgruppen die abstrusesten Theorien und Argumentationsmuster unkritisch rezipiert und als Beleg für eine große Verschwörung angesehen. Die Inhalte werden geradezu aggressiv legitimiert und jeder Hauch einer Kritik, und sei sie nur intern geäußert, als Verrat an der angeblichen Freiheitsbewegung, wenn nicht sogar als koordinierter Beitrag zur Verschwörung gegen diese, verstanden.

Der zweite ideologische Kern der selbsternannten Bewegung, das Selbstbild als heroisch gegen den (zumeist linken) Mainstream Kämpfende, ist eine Kernerzählung der extremen Rechten und äußert sich in den derzeitigen Protesten in der Übernahme rechter Themen wie die Hetze gegen „die Medien“, Bundeskanzlerin Merkel und die “Antifa”. Sie alle zählen für die Corona-Rebellen zu den Handlangern der NWO.

Im Selbstbild der Corona-Rebellen ist ein deutscher Nationalismus omnipräsent. Seit Beginn der Proteste am Haid- bzw. Domplatz wurde die deutsche Nationalhymne gesungen und Deutschlandfahnen gezeigt. So wird sich gemeinsam auf das nationale Kollektiv, das im Kontrast zu den internationalen agierenden, “vaterlandslosen” Eliten steht, eingeschworen. Der positive Bezug auf Deutschland dient den Corona-Rebellen dazu, sich moralisch auf der richtigen Seite zu wähnen.

Die beschriebene Kombination aus Verschwörungsideologie und Nationalismus führt schließlich zu der paradoxen Situation, dass Antisemit_innen ihre eigene Position mit der von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleichsetzen. Schoa-Relativierungen durch Aufschriften wie „Impfen macht frei“ oder „1933 = 2020 aufwachen!“ waren ebenso Teil der Regensburger Proteste wie ein selbstgebastelter, sogenannter „Judenstern“ mit der Aufschrift „Nicht Corona geimpft“, den zuletzt ein Ordner auf einer Kundgebung am Domplatz trug.

Die Verschwörungstheorien und die Überzeugung, die oder der letzte Widerstandsaktivist_in gegen die NWO und deren Elitenpläne zu sein, macht den Protest der Corona-Rebellen zum Sammelbecken für die gesamte extreme Rechte. Würde diese Stimmung zum Nährboden für die nächsten Rechtsterrorist_innen, die sich legitime Vollstrecker des “Volkswillens” sehen, wäre dies nicht das erste Mal.

Verschwörungsideologen „denkMal“ Regensburg: von Frieden und Völkermord

Die Verschwörungsideologen am Dom namens denkMal Regensburg versuchen sich an einer Art Selbstverständnis. Bislang war eine inhaltliche Analyse der Struktur nur vermittelt über die Aussagen einiger Organisator_innen und ihrer Fans in Sozialen Medien oder über die geladenen Redner_innen möglich.

Das Motto der (Wunsch-)Denker.

Die heterogene Konstellation der Proteste und die daran beteiligten verschiedenen Milieus bestehen weiter, auch wenn sich denkMal nun an einer inhaltlichen Positionierung versucht. Die internen Uneinigkeiten treten dabei aber deutlich hervor. Beide vor kurzem über Telegram veröffentlichte Dokumente wurden innerhalb kurzer Zeit geteilt, wieder gelöscht, geändert und erneut geteilt.

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Recherche zu den verschwörungsideologischen Versammlungen: Teil I

Seit Ende April 2020 finden in Regensburg Versammlungen statt auf denen verschwörungsideologische Inhalte und klare Falschmeldungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowie Nationalismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus verbreitet und befeuert werden.

Die Kundgebungen und teils unangemeldeten Demonstrationen gegen eine angebliche „Corona-Diktatur“ bieten dabei unterschiedlichen Spektren Resonanzraum für ihre Inhalte. Die Organisationsstruktur war in den ersten Wochen von personellen Unstetigkeiten geprägt, es entwickelten sich mehrere Gruppen und Organisationsstrukturen heraus.

Trotz der Heterogenität sind vor allem Impfgegner_innen, Verschwörungsideolog_innen, Coronaleugner_innen und Personen aus der extremen Rechten fest verankert, dennoch ist ein konsistentes Selbstverständnis nicht auszumachen.

Im folgenden Artikel werden die bisherigen Entwicklungen zusammengefasst und ein Überblick über die verschiedenen Spektren gegeben. Eine chronologische Übersicht befindet sich in unserer Chronologie über extrem rechte Aktivitäten 2020.

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Holger Gerstl-Dos Santos – ein extrem rechter Facebookaktivist

Am Samstag, den 06. Juni 2020 ruft Holger Gerstl-Dos Santos erneut zu einer verschwörungsideologischen Kundgebung in Regensburg auf.

Auf der Demonstration von Ines Graßl durch die Altstadt am 02. Mai 2020 trat Gerstl-Dos Santos, verkleidet als „Froschkönig“, zum ersten Mal im Zuge der Corona-Proteste als Redner auf. Schon am 19. April stellte sich Gerstl-Dos Santos – als weiblicher Weihnachtsmann – auf den Domplatz und lud seine Rede ohne Publikum, bei der er sich gegen die Coronamaßnahmen der Regierung aussprach, auf Facebook. Am 09. und 16. Mai hatte Gerstl-Dos Santos selbst Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmer_innen unter dem irreführenden Namen „Solidarität mit den Corona-Opfern“ angemeldet. Unter diesem Titel lief auch ein Rave am 20. Mai mit dem Goa-DJ Malte Lehmann (Tatonkaa).

Dass der verschwörungsideologische extrem rechte Facebookaktivist und seine Anhänger_innen sich dabei selbst als die „Opfer“ der Corona-Krise sehen, wird mit einem Blick auf seine Äußerungen in Sozialen Medien deutlich. Wie viele der Corona-Aktivist_innen hängt er verschiedenen Verschwörungstheorien an. Darüber hinaus postet er auf seiner Facebook Seite viele extrem rechte Inhalte, darunter auch Post die als Verherrlichung der Shoa betrachtet werden können und somit strafrechtlich relevanten Charakter haben.

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Sohpie Ferstl – eine extrem rechte Twitteraktivistin

Seit einigen Wochen findet in Regensburg am Domplatz eine Kundgebung der aktuellen Anticoronamaßnahmenprotestbewegung („Coronarebellen“) statt. Der Protest ist dabei in Inhalten und Zielen großteils heterogen und auch die Teilnehmer_innen kommen dabei aus unterschiedlichen Spektren. Auch beim Organisator_innenkreis ist eine Heterogenität feststellbar und neben Impfgegner_innen und Verschwörungsideolog_innen sind Personen aus der extremen Rechten fest verankert.
Zu letzterem Spektrum gehört Sophie Ferstl aus Neutraubling, die seit Jahren den anonymen Twitteraccount „CantaTeDominum“ betreibt.

Sophie Ferstl bei der Kundgebung am 23.05.2020

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„Meditationsdemonstration“ am 02.05.20 von extrem rechter Person

Am morgigen Samstag soll in Regensburg eine sogenannte „Meditationsdemonstration“ stattfinden. Nach dem Vorbild der Berliner „Ignorance Meditation“ vom rechten Querfrontideologen Ken Jebsen (1) will die Regensburger Organisatorin Clarissa Schubart (Pentling) „100% friedlich“ gegen die Maßnahmen gegen den Corona-Virus protestieren. Organisator_innen sowie voraussichtliche Teilnehmer_innen bewegen sich im verschwörungsideologischen Querfront-Milieu.

Heilpraktikerin Clarrisa Schubart

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In der Chronologie über extrem rechte Aktivitäten in Regensburg und Umgebung 2019 befinden sich 59 Einträge, darunter Propagandadadelikte, Kundgebungen, Infotische und Demonstrationen, sowie Veranstaltungen.

Eine vollständige Aufzählung ist hier vorhanden: Chronologie 2019

Die Chronologie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerade Spektren die wenig Außenwirksamkeit wie beispielhaft Klerikalfaschistische Flügel im Bistum Regensburg oder Islamistische Organisation zeigen sind dabei leider unterbelichtet. Fehlend sind zudem die Aktivitäten der „Grauen Wölfe“ und andere faschistischen Organisation die ihren Ursprung nicht in Deutschland haben. Auch Organisation wie z. B. die Bayernpartei die dem Konservativen Milleu zugehörig – aber sich auch Rechte (Ante Serdarusic) darin engagieren – ist, sind nicht aufgenommen.

Die meisten der extrem rechten Aktivitäten 2019 stehen dabei im Zusammenhang mit der AfD. Dieser fällt politische Arbeit in Regensburg weiterhin schwer.

Überblick
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Kommunalwahl 2020: eine antifaschistische Betrachtung der AfD-Kreistagsliste

AfD kaum in der Fläche vertreten

Nicht nur für den Regensburger Stadtrat kandidiert die extrem rechte Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei den bayerischen Kommunalwahlen 2020, auch für den Kreistag hat sie eine Liste eingereicht. Das gibt nicht nur extremen Rechten die Möglichkeit, sich zur Wahl zu stellen, sondern bedeutet für die AfD auch, dass sie im gesamten Landkreis auf einem Wahlzettel stehen wird. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei im Regensburger Landkreis nicht flächendeckend antreten kann. So konnte die Partei keine/n BewerberIn für die drei Stadt- und 38 Gemeinderäte stellen und das obwohl Gerd Mannes (stellvertretender bayerischer Landesvorsitzender) im Juni 2019 auf dem Bezirksparteitag der AfD Oberpfalz noch verkündet hatte, „in der einen oder anderen Gemeinde […] den Bürgermeister oder einen Gemeinderat“ zu stellen. Auch schaffte es die AfD nicht, eine/n LandratskandidatIn zu nominieren. Anstelle der möglichen 70 Listenplätze konnten lediglich 19 BewerberInnen gefunden werden.

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Kommunalwahl 2020: Nikolai Sitschow (AfD)

Nikolai Sitschow, der am 22.07.1951 geboren wurde und in Moskau studiert hat, ist mittlerweile in Rente. Seit April 2019 tritt er als Mitglied des Kreisvorstands der AfD in Regensburg in Erscheinung. Im September 2019 nahm er am AfD-Infostand am Neupfarrplatz teil. Mit vielen Wahlplakaten und sogar einem Anhänger mit seinem Konterfei versucht er aktuell im Stadtbild präsent zu sein. Sitschow zielt außerdem mit russischsprachiger Wahlwerbung auf Facebook auf Wähler_innen mit russischem Migrationshintergrund.

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