Jakob Haas – regionaler verschwörungsideologischer Akteur, Neonazi und Holocaustleugner

In unserem Teil I und Teil II haben wir die verschwörungsideologischen Proteste gegen eine sogenannte „Corona-Diktatur“ und die dahinter stehenden Strukturen in Regensburg analysiert. Im letzten halben Jahr hatte sich vor allem die Struktur „denkMal.“ herausgebildet. Aufgrund interner Streitigkeiten und Vorwürfe, bei denen auch die seit April wöchentlich mit einer eigenen Kundgebung auf der Steinernen Brücke vertretene Annette Greisinger (Regenstauf) eine tragende Rolle gespielt hat, hat sich „denkMal.“ jedoch gespalten und die Kundgebungen vorerst eingestellt. Im entstanden Vakuum haben sich neue Gruppen und Strukturen gebildet. Zu nennen sind hier „Freiheitsboten Regensburg“, „Querdenken941“, „Eltern stehen auf!“ und „Samstag 14 Uhr“. Dabei ist eine hohe personelle Überschneidung feststellbar. Das Milieu ist zwar nach wie vor personell heterogen, in ihren Verschwörungsmythen jedoch weitgehend einig. Impfgegner:innen, esoterische Heilprakter:innen und Alternativmediziner:innen, die ihre Ideologie pseudowissenschaftlich legitimieren sollen, finden hier mit Personen der extremen Rechten zusammen.

Zu letzteren zählt der Neonazi und Holocaustleugner Jakob Nikolaus Haas. Er ist am 09.03.1992 geboren und wohnt aktuell in der Xaver-Schäffner-Straße 41 in 93138 Lappersdorf. Haas unterstützt die verschwörungsideologischen Proteste seit Anfang an und war hierbei sowohl bei den Kundgebungen von „denkMal.“, als auch von Holger Gerstl-Dos Santos als Teilnehmer anwesend. Bei einer unangemeldeten spontanen Demonstration mit 20 Teilnehmer:innen von Querdenken941 am 01. Oktober trat er neben Greisinger dann als führender Aktivist auf. Auch beim „Sturm auf den Reichstag“ am 29. August 2020 in Berlin war Haas mit einer schwarz-weiß-roten Flagge beteiligt. Am selben Wochenende war er auch beim „Meet and Greet“ vor dem Restaurant des Neonazis Attila Hildmann.

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Recherche zu den verschwörungsideologischen Versammlungen: Teil II

In unserem Teil I über die verschwörungsideologischen Versammlungen warfen wir einen Blick auf Inhalte und Strukturen der Proteste gegen die sogenannte „Corona-Diktatur“ in Regensburg in ihrer Anfangsphase. Vor allem aufgrund der Heterogenität der beteiligten Personen war in den ersten Wochen schwer ersichtlich, wie sich die Struktur zusammensetzt und welche Personen eine tragende Rolle bei den Protesten einnehmen. Mittlerweile konsolidiert sich der daraus erwachsene Zusammenschluss „denkMal“ weiter, weshalb wir auch deren Strukturen genauer unter die Lupe genommen haben.

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2020.07.11 // Redebeitrag

Redebeitrag über Verschwörungsmythen, deutschen Nationalismus und Antisemitismus, gehalten auf der Kundgebung der Initiative gegen Rechts am 11.07.2020 in Regensburg

Die Behauptung einer „Corona-Diktatur“ ist unter den Teilnehmer_innen und Aktiven der Corona-Proteste Konsens. Auch wenn es bei Teilnahmezahlen von mehreren Hundert nicht möglich ist, alle Teilnehmenden miteinzubeziehen und diese sich aus diversen Spektren zusammensetzen, zeichnen sich doch zwei Kernaussagen ab: Die Behauptung einer Verschwörung durch eine kleine, die Menschheit beherrschende Elite (“New World Order”) und die gleichzeitige Selbstinszenierung als erleuchteter Kreis und aufgeweckte Schafe, der sich heroisch gegen das Unrecht, den moralischen Verfall und die Eliten der NWO auflehnt.

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Verschwörungsideologen „denkMal“ Regensburg: von Frieden und Völkermord

Die Verschwörungsideologen am Dom namens denkMal Regensburg versuchen sich an einer Art Selbstverständnis. Bislang war eine inhaltliche Analyse der Struktur nur vermittelt über die Aussagen einiger Organisator_innen und ihrer Fans in Sozialen Medien oder über die geladenen Redner_innen möglich.

Das Motto der (Wunsch-)Denker.

Die heterogene Konstellation der Proteste und die daran beteiligten verschiedenen Milieus bestehen weiter, auch wenn sich denkMal nun an einer inhaltlichen Positionierung versucht. Die internen Uneinigkeiten treten dabei aber deutlich hervor. Beide vor kurzem über Telegram veröffentlichte Dokumente wurden innerhalb kurzer Zeit geteilt, wieder gelöscht, geändert und erneut geteilt.

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Recherche zu den verschwörungsideologischen Versammlungen: Teil I

Seit Ende April 2020 finden in Regensburg Versammlungen statt auf denen verschwörungsideologische Inhalte und klare Falschmeldungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowie Nationalismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus verbreitet und befeuert werden.

Die Kundgebungen und teils unangemeldeten Demonstrationen gegen eine angebliche „Corona-Diktatur“ bieten dabei unterschiedlichen Spektren Resonanzraum für ihre Inhalte. Die Organisationsstruktur war in den ersten Wochen von personellen Unstetigkeiten geprägt, es entwickelten sich mehrere Gruppen und Organisationsstrukturen heraus.

Trotz der Heterogenität sind vor allem Impfgegner_innen, Verschwörungsideolog_innen, Coronaleugner_innen und Personen aus der extremen Rechten fest verankert, dennoch ist ein konsistentes Selbstverständnis nicht auszumachen.

Im folgenden Artikel werden die bisherigen Entwicklungen zusammengefasst und ein Überblick über die verschiedenen Spektren gegeben. Eine chronologische Übersicht befindet sich in unserer Chronologie über extrem rechte Aktivitäten 2020.

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Holger Gerstl-Dos Santos – ein extrem rechter Facebookaktivist

Am Samstag, den 06. Juni 2020 ruft Holger Gerstl-Dos Santos erneut zu einer verschwörungsideologischen Kundgebung in Regensburg auf.

Auf der Demonstration von Ines Graßl durch die Altstadt am 02. Mai 2020 trat Gerstl-Dos Santos, verkleidet als „Froschkönig“, zum ersten Mal im Zuge der Corona-Proteste als Redner auf. Schon am 19. April stellte sich Gerstl-Dos Santos – als weiblicher Weihnachtsmann – auf den Domplatz und lud seine Rede ohne Publikum, bei der er sich gegen die Coronamaßnahmen der Regierung aussprach, auf Facebook. Am 09. und 16. Mai hatte Gerstl-Dos Santos selbst Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmer_innen unter dem irreführenden Namen „Solidarität mit den Corona-Opfern“ angemeldet. Unter diesem Titel lief auch ein Rave am 20. Mai mit dem Goa-DJ Malte Lehmann (Tatonkaa).

Dass der verschwörungsideologische extrem rechte Facebookaktivist und seine Anhänger_innen sich dabei selbst als die „Opfer“ der Corona-Krise sehen, wird mit einem Blick auf seine Äußerungen in Sozialen Medien deutlich. Wie viele der Corona-Aktivist_innen hängt er verschiedenen Verschwörungstheorien an. Darüber hinaus postet er auf seiner Facebook Seite viele extrem rechte Inhalte, darunter auch Post die als Verherrlichung der Shoa betrachtet werden können und somit strafrechtlich relevanten Charakter haben.

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Sohpie Ferstl – eine extrem rechte Twitteraktivistin

Seit einigen Wochen findet in Regensburg am Domplatz eine Kundgebung der aktuellen Anticoronamaßnahmenprotestbewegung („Coronarebellen“) statt. Der Protest ist dabei in Inhalten und Zielen großteils heterogen und auch die Teilnehmer_innen kommen dabei aus unterschiedlichen Spektren. Auch beim Organisator_innenkreis ist eine Heterogenität feststellbar und neben Impfgegner_innen und Verschwörungsideolog_innen sind Personen aus der extremen Rechten fest verankert.
Zu letzterem Spektrum gehört Sophie Ferstl aus Neutraubling, die seit Jahren den anonymen Twitteraccount „CantaTeDominum“ betreibt.

Sophie Ferstl bei der Kundgebung am 23.05.2020

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„Meditationsdemonstration“ am 02.05.20 von extrem rechter Person

Am morgigen Samstag soll in Regensburg eine sogenannte „Meditationsdemonstration“ stattfinden. Nach dem Vorbild der Berliner „Ignorance Meditation“ vom rechten Querfrontideologen Ken Jebsen (1) will die Regensburger Organisatorin Clarissa Schubart (Pentling) „100% friedlich“ gegen die Maßnahmen gegen den Corona-Virus protestieren. Organisator_innen sowie voraussichtliche Teilnehmer_innen bewegen sich im verschwörungsideologischen Querfront-Milieu.

Heilpraktikerin Clarrisa Schubart

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In der Chronologie über extrem rechte Aktivitäten in Regensburg und Umgebung 2019 befinden sich 59 Einträge, darunter Propagandadadelikte, Kundgebungen, Infotische und Demonstrationen, sowie Veranstaltungen.

Eine vollständige Aufzählung ist hier vorhanden: Chronologie 2019

Die Chronologie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gerade Spektren die wenig Außenwirksamkeit wie beispielhaft Klerikalfaschistische Flügel im Bistum Regensburg oder Islamistische Organisation zeigen sind dabei leider unterbelichtet. Fehlend sind zudem die Aktivitäten der „Grauen Wölfe“ und andere faschistischen Organisation die ihren Ursprung nicht in Deutschland haben. Auch Organisation wie z. B. die Bayernpartei die dem Konservativen Milleu zugehörig – aber sich auch Rechte (Ante Serdarusic) darin engagieren – ist, sind nicht aufgenommen.

Die meisten der extrem rechten Aktivitäten 2019 stehen dabei im Zusammenhang mit der AfD. Dieser fällt politische Arbeit in Regensburg weiterhin schwer.

Überblick
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Kommunalwahl 2020: eine antifaschistische Betrachtung der AfD-Kreistagsliste

AfD kaum in der Fläche vertreten

Nicht nur für den Regensburger Stadtrat kandidiert die extrem rechte Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei den bayerischen Kommunalwahlen 2020, auch für den Kreistag hat sie eine Liste eingereicht. Das gibt nicht nur extremen Rechten die Möglichkeit, sich zur Wahl zu stellen, sondern bedeutet für die AfD auch, dass sie im gesamten Landkreis auf einem Wahlzettel stehen wird. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei im Regensburger Landkreis nicht flächendeckend antreten kann. So konnte die Partei keine/n BewerberIn für die drei Stadt- und 38 Gemeinderäte stellen und das obwohl Gerd Mannes (stellvertretender bayerischer Landesvorsitzender) im Juni 2019 auf dem Bezirksparteitag der AfD Oberpfalz noch verkündet hatte, „in der einen oder anderen Gemeinde […] den Bürgermeister oder einen Gemeinderat“ zu stellen. Auch schaffte es die AfD nicht, eine/n LandratskandidatIn zu nominieren. Anstelle der möglichen 70 Listenplätze konnten lediglich 19 BewerberInnen gefunden werden.

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