2020.11.14 – Querdenken941

Regensburg –  Kundgebung

Das „Fest für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung“ war das bisher größte Event des verschwörungsideologischen Spektrums in Regensburg. 1.000 Personen fanden sich auf dem Dultplatz ein, etwa 250 weitere Personen wurden von der Polizei nicht auf das Gelände gelassen, da eine maximale Teilnehmer:innenzahl festgelegt worden war. Organisiert war die Kundgebung vom Zusammenschluss Querdenken941 (u. A. Holger Bürner, Annette Greisinger, Irmgard Heindl), Querdenken961 (Helmut Bauer) und IBAM Roding (Ralph Schwarzfischer). An der Kundgebung selbst nahmen Personen aus dem Süddeutschen Raum und Österreich (u.A. Alexander Ehrlich von „Honk for Hope“) teil. Die Bühnentechnik übernahm eine Firma aus Baden-Württemberg. Strom und Toilettenräume könnten die Querdenken-Anhänger:innen von der Stadt Regensburg beziehen.

Vor der Hauptkundgebung sollte eine Demonstration durch die Innenstadt sowie ein Autokorso vom Jahnstadium stattfinden, beides wurde aber behördlich untersagt. Ein kleiner Autokorso mit wenigen Fahrzeugen fuhr jedoch vom dortigen Parkplatz los und bog – wahrscheinlich aufgrund mangelnder Ortskenntnisse – Richtung Autobahn ab. Eine Art kleine unangemeldete Demonstration fand unter den Augen der Polizei vom Wöhrdparkplatz aus Richtung Dultplatz unter der Führung von Willi Fanderl aus dem Landkreis Eichstätt statt.

Als Hauptakt auf der Bühne standen neben dem extrem rechten Influencer Nana Domena (Frankfurt), der als Moderator fungierte auch der extreme rechte Aktivist Thorsten Schulte (Bautzen). Letzterer äußerte in seinem Redebeitrag klare Verschwörungsideologien und nannte Teile der Bundesregierung „Marionetten des Geldes“. Auch der Passauer Arzt Roland Weikl äußerte sich in seinem eingesprochenen Redebeitrag stark verschwörungsideologisch. Die beiden Querdenken Aktivisten aus Oberbayern Karl Hilz und Florian Kuhn stellten ihre Initiative „Volksbegehren Landtag abberufen“ vor. Hierzu gab es auch einen Infostand zum unterschreiben. Karl Schmitt-Walter trat für die Anwälte für Aufklärung auf. In vielen Reden ging es insbesondere um die wenige Tage später anstehende Abstimmung im Bundestag zur Novelle des Infektionsschutzgestzes. Diese wurde auf dem Dultplatz mehrfach als „Ermächtigungsgestz“ bezeichnet. Auch andere NS-Vergleiche waren zu verzeichnen.

Aus regionalen Zusammenhängen traten als Redner:innen auf: Hans Frank Winkler (München), Ralph Schwarzfischer (Roding, Lkr. Cham), Jörg Brunschweiger (Regensburg) und Irmgard Heindl (Obertraubling, Lkr. Regensburg).

Wie auch schon bei anderen Querdenken-Kundgebungen wurden auch in Regensburg Kinder als Redner:innen rekrutiert. Als Streamer der verschwörungsideologischen Bewegung waren u.A. vor Ort der rechte Medienaktivist Elijah Tabere (alias Elijah Tee; Dresden) und der AfD Akteur Stefan Bauer (Rosenheim). Letzterer durfte auch kurz auf der Bühne sprechen. Auch Otmar Spirk (Pentling, Lkr. Regensburg) berichtete für seinen regionalen Szeneblog „Leben und leben lassen in Regensburg“ und aus dem Landkreis Weiden filmte Wolfgang Stabla für seinen kaum beachteten YouTube-Kanal. Als eine Art „unabhängiger“ Demobeobachter fungierte der Regensburger Transition Town Vorstand Martin Hoff.

Musikalisch wurde die Veranstaltung sowohl von überregionalen, als auch regionalen Musiker:innen begleitet: Geige Daniel Poldik (Oberviechtach), Gitarre André Krengel (Düsseldorf), Gesang Wiebke Matern (Winhöring, Lkr. Altötting). Aus Regensburg übernahm Lucy Frank die musikalische Begleitung.

Aus der organisierten extremen Rechten waren bei der Kundgebung u.A. der Reichsbürger und Qanon-Anhänger Klaus Lindner (Hilpoltstein), Erhard Brucker (Vorsitzender und Stadtrat der AfD Regensburg) und Alex Bock (AfD Weiden) vor Ort.

Immer wieder kam es während der Kundgebung zu Auflagenverstößen, so unter anderem war wenig/ oder kein Abstand zwischen den Teilnehmer:innen vorhanden, Masken wurden nur sporadisch getragen, ein Essensstand lange Zeit betrieben. Am Ende der Veranstaltung kam es beim Abschlusslied auf der Bühne zu zahlreichen Verstößen gegen die Auflagen (kein Abstand, keine Masken), so umarmte Helmut Bauer Florian Kuhn. Aus Regensburg waren hier auch Holger Bürner und Luca Amann beteiligt. Anders als bei einer Querdenken Kundgebung in Weiden einen Monat davor, wo ähnliches Geschehen ist, löste die Polizei die Kundgebung aber nicht auf.

Auch Übergriffe auf Pressevertreter:innen waren zu verzeichnen, zudem schränkten Ordner:innen, unter anderem Ralph Schwarzfischer und Jörg Brunschweiger, Fotograf:innen beim fotografieren ein.

Am Rande der Veranstaltung protestierten Antifaschist:innen gegen die Versammlung.

Medienberichte:

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