
Der Horsch-Hof in Schwetzendorf, nur ein paar Kilometer vor den Toren Regensburgs, hat eine über 100-jährige Geschichte. In den vergangenen Jahren wurde der Vierseithof neben seiner Nutzung als Bauernhof zum Veranstaltungsort für Konzerte, Vorträge und Gottesdienste. Der ehemalige Stall und die Scheune wurden vor wenigen Jahren renoviert und werden nun für „Begegnung, Kunst und Kultur“ genutzt, erfährt man auf der Website des Horsch-Hofs (offiziell: Kultur.Gut.Horsch). Welche Veranstaltungen konkret anstehen, verrät die Onlinepräsenz nicht – und das vermutlich aus gutem Grund. Vom 03. bis 05. September werden auf dem landwirtschaftlichen Gut die „Waldgespräche“ mit Michael Meyen, Gerd Reuther, Robert Stein und Friedrich Pürner aufgezeichnet und rund eine Woche später kündigt sich Kayvan Soufi-Siavash (Ken Jebsen) dort mit seiner „Wohnzimmertour“ unter dem Titel „Sprechstunde & Mainstream-Märchen“ an. Meyen und Jebsen sind in der verschwörungsideologischen Szene gern gesehene VIPs. Die Wahl des Veranstaltungsortes, der öffentlich geheim gehalten wird, ist ebenso wenig Zufall, denn Thomas Horsch, der mit seiner Frau Doris Pilhofer-Horsch den Horsch-Hof betreibt, ist in entsprechenden Milieus seit Jahren aktiv.



Kultur.Gut.Horsch | Dorfstraße 11 | Schwetzendorf | 93186 Pettendorf
E-Mail: doris.horsch1@gmail.com | Tel.: 09404 1417 | Web: www.kulturguthorsch.de
Bauernhofidylle zwischen Schauspielkunst und Schwurbelwahn
Laut eigener Auskunft übernahm im Jahr 2008 der älteste Horsch-Sohn Thomas in dritter Generation den Hof: „Doris und Thomas Horsch haben drei Kinder und beleben die inzwischen ruhig gewordene Hofstelle mit kulturellen Angeboten, Hoffesten und Gottesdiensten. Die Familie führt das soziale Engagement, das ihnen in die Wiege gelegt wurde, fort und unterstützt mit den Veranstaltungen die am Hof stattfinden, ein Kinderzentrum für Aidswaisen in Südafrika. (www.kinderaidshilfe-suedafrika.de)“. Besonders während der Corona-Pandemie erwies sich die Option, überdachte Outdoor-Veranstaltungen abzuhalten, als ideal für die Regensburger Kunst- und Kulturszene.
Seit 2021 veranstalten etwa die Regensburger „Kultur-Optimisten“ jeden Sommer eine Konzertreihe auf dem Horsch-Hof. „Mit Doris Pilhofer-Horsch entstand eine tolle Zusammenarbeit für eine gute Sache, denn ein Teil der Einnahmen aus dem Kartenverkauf geht direkt an die Stiftung KinderAIDSHilfe Südafrika“, lobt das Regensburger Veranstaltungsbüro. Der ehemalige Stall und die renovierte Scheune werden aber auch für Gottesdienste, Trauungen oder Theaterfeste genutzt. Im großen Bauerngarten fand von 2007 bis 2016 das Format „Kunst im Garten“ statt – ein Kunsthandwerkermarkt mit 40 Ausstellenden und jährlich mehr als 1.000 Besucher:innen. Im überdachten Innenhof wurde zu Kürbisfesten, Koffermarkt, Kirtatänzen und Konzerten eingeladen, schwärmt der Landkreis Regensburg über die Veranstaltungslocation. Auch für private Feiern oder Vortragsveranstaltungen sind Scheune, Stall oder Innenhof mietbar. Mindestens zwischen 2021 und 2024 war der Horsch-Hof ebenfalls Austragungsort für Gottesdienste, Gemeindepicknicks und Treffen der Regensburger Mennonitengemeinde. Die Gottesdienstleitung hatte dabei immer wieder Doris Pilhofer-Horsch selbst inne, die ebenso wie andere Familienmitglieder ein sehr aktives Mitglied der Gemeinde zu sein scheint. Die Mennonitengemeinde ist Teil der Täuferbewegung und besteht als kleine evangelische Freikirche im Zentrum des Regensburger Stadtteils Burgweinting.
Die dunkle Seite des Vierseithofs in Schwetzendorf
Zwischen Familiengottesdiensten, Freilufttheater und Open-Air-Konzerten vor idyllischer Kulisse scheint sich der Horsch-Hof – jetzt als Kultur.Gut.Horsch – seit einigen Jahren als Veranstaltungsort im verschwörungsideologischen Schwurbelmilieu fest etabliert zu haben. Inzwischen treten hier regelmäßig Szenegrößen auf, wobei der Ort der jeweiligen Veranstaltung fast immer großer Geheimhaltung unterliegt.
Kayvan Soufi-Siavash // Ken Jebsen
Am 12. September 2026 plant Kayvan Soufi-Siavash (aka „Ken Jebsen“) mit seinem Format „Sprechstunde & Mainstream-Märchen. Setz dich. Kayvan hört zu“ seine Veranstaltung auf dem Horsch-Hof abzuhalten. Der genaue Veranstaltungsort soll den Ticketkäufer:innen erst kurz vor dem Event mitgeteilt werden. Das Format wird als Teil des „Soufisticated“-Programms Soufi-Siavashs organisiert. Über „Soufisticated“ teilt der Verschwörungsideologe „politische Statements zur Lage der Nation oder globale Ereignisse, aber vor allem geht es um eine philosophische Perspektive auf Gott, die Welt und seine Menschen.“
Kayvan Soufi-Siavash, besser bekannt als Ken Jebsen (KenFM), ist deutscher Video-Content-Creator, ehemaliger Radiomoderator und politischer Aktivist. Bekannt wurde Jebsen, damals noch RBB-Radiomoderator, vor allem um 2011 wegen antisemitischer Aussagen und der Bezeichnung des Holocausts als „PR-Erfindung“. 2014 und 2015 trat Jebsen als Hauptredner bei den verschwörungsideologischen „Mahnwachen für den Frieden“, ab 2020 bei „Querdenken“-Demonstrationen hervor und verbreitete Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie. YouTube sperrte deshalb seinen Kanal KenFM im November 2020. Ab März 2021 führte der Verfassungsschutz Berlin KenFM als Verdachtsfall. Daraufhin ersetzte Jebsen KenFM im Sommer 2021 durch die Nachfolgewebseite „apolut“. Seit 2023 ist er unter dem Label „Soufisticated“ im Internet und mit Vorträgen im deutschsprachigen Raum aktiv. 2024 rief er in einem seiner Videos zur Wahl der extrem rechten Partei Alternative für Deutschland (AfD) auf. Im März 2025 begann Jebsen unter seinem Geburtsnamen eine Vortragstournee mit dem Namen „Sprechstunde & Mainstream-Märchen“, bei der er AfD-Positionen unterstützt und beispielsweise dazu aufrief, den „Brandmauer-Wahnsinn“ zu beenden. Er deutete an, dass sich in näherer Zukunft eine Gelegenheit ergeben werde, in der „wir als patriotische Deutsche“ tun könnten, „was wir schon immer wollten“. Am 12. September 2026 wird man Soufi-Siavashs Perspektiven auf dem Horsch-Hof bei Regensburg in Erfahrung bringen können. Die Bewerbung der Veranstaltung in einschlägigen verschwörungsideologischen Onlineforen läuft auf Hochtouren. In Regensburg ist es Thomas Horsch selbst, der die „Wohnzimmertour“ bewirbt und womöglich auch organisiert.


Michael Meyen // Freie Akademie für Medien und Journalismus e.V.
Vom 3. bis 5. September 2026 finden im Horsch-Hof auch die „Waldgespräche“ mit Gastgeber Michael Meyen und den Gästen Gerd Reuther, Robert Stein und Friedrich Pürner statt. Angekündigt werden letztere als „allesamt mehr oder weniger Lokalmatadoren, wenn man so will, und Gesichter des Protests gegen die Coronapolitik.“
Nach der Premiere des Veranstaltungsformats „Waldgespräche“ im September 2025 mit Jürgen Fliege, Joana Cotar, Gerd Reuther und Gabriele Gysi in St. Englmar (Niederbayern) werden die drei Gespräche vor Publikum dieses Jahr am 3. (Gerd Reuther), 4. (Robert Stein) und 5. September (Friedrich Pürner) im Raum Regensburg aufgezeichnet.
Hinter den „Waldgesprächen“ steht die Freie Akademie für Medien und Journalismus e.V. von Michael und Antje Meyen aus Zandt (Lkr. Cham). Die Freie Akademie für Medien und Journalismus des Ehepaares, welches sich in verschwörungsideologischen Milieus bereits einen Namen machte, präsentiert, trainiert und diskutiert nach eigenen Angaben Journalismus „unabhängig von Politik, Wirtschaft und Staat“.

Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen war von 2002 bis 2026 als Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig und betätigt sich seit Jahren in der verschwörungsideologischen sowie der antisemitischen BDS-Bewegung.
Aufgrund seiner umstrittenen Positionierungen und Publikationen u. a. im Bereich der Verschwörungsideologien und des „Querdenker“-Spektrums war er häufig Teil von Kontroversen. Die Landesanwaltschaft in München teilte im Juli 2023 mit, dass sie ein Disziplinarverfahren gegen den verbeamteten Meyen eingeleitet habe, da er als Mitherausgeber der „Querdenker“-Zeitschrift „Demokratischer Widerstand“ aufgetreten war. Ende März 2026 wurde Meyen schließlich nach diversen Skandalen um seine Person durch Auftritte in der verschwörungsideologischen „Querdenker“-Szene, in der er inzwischen zu einem ihrer führenden Vordenker avanciert war, in den Ruhestand versetzt. Große Bekanntheit im entsprechenden Milieu erlangte Meyen durch seinen Bestseller „Die Propaganda-Matrix“ (2021), die in Fachkreisen als verschwörungstheoretisch und wissenschaftlich unseriös gewertet wird. Die Publikation und seine Haltung in der Corona-Pandemie brachten Meyen zahllose Auftritte beim extrem rechten und ebenso verschwörungsideologischen Medienformat „AUF1“ ein. Als der Sender „AUF1“ im Mai 2026 seinen fünften Geburtstag in einem Gasthaus nahe Wels (Österreich) feierte, trat Meyen dort neben Szenegrößen der extremen Rechten wie Martin Sellner auf der Bühne auf, wo er auch seine „Freie Medienakademie“ bewarb. Wenig später ließ er sich als Experte beim „1. Demokratiekongress der AfD-Fraktion“ im Deutschen Bundestag feiern – neben Hans-Georg Maaßen, Ulrich Vosgerau, dem Chefredakteur der Wochenzeitung Junge Freiheit Dieter Stein und weiteren VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und Medien. Für die AfD nahmen u. a. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund teil, um gemeinsam über „Strategien zum Erhalt der Freiheit der Rede entwickeln und praxisnahe Lösungen zum Schutz des Grundrechts auf Meinungsfreiheit“ zu erarbeiten und sich zu „EU-Zensur, staatlicher NGO-Zensurkomplex und Angriffe auf die Presse und Meinungsfreiheit, Medienstaatsvertrag und die Rolle unabhängiger Medien“ auszutauschen.


In dieselbe Kerbe stößt eine Veranstaltung des „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) am 30. August in Magdeburg, auf dessen Flyer Michael Meyen ebenfalls angekündigt wird: Das „Festival der Meinungsfreiheit – Gemeinsam gegen Cancel Culture“ am 30. August in Magdeburg. Inhaltlich soll es auch hier um „aktuelle Herausforderungen für die Meinungsfreiheit – von Zensur und politischer Verfolgung über Cancel Culture im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und an Hochschulen bis hin zu staatlich gelenkter Meinungsmache durch NGOs und Meldestellen“ gehen. Zwischen seinen Auftritten in den Formaten diverser Parteien betreibt Meyen mit seiner Frau Antje weiter den Aufbau seiner Freien Medienakademie und deren Formaten „unabhängig von Politik, Wirtschaft und Staat“ – auch im Landkreis Regensburg.
MWGFD // Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.
In der Vergangenheit veranstaltete auch der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ (MWGFD) e. V. verschiedene Vortragsformate auf dem Horsch-Hof – so beispielsweise einen Vortrag mit Dr. med. Jörg-Heiner Möller am 26. September 2025 („Einer der wenigen Ärzte, die öffentlich darüber reden, dass die Geninjektion schwere Schäden verursacht hat. Dr. Möller berichtet auch über seine Erfahrungen als Chefarzt der kardiologischen Abteilung im Krankenhaus Burglengenfeld (bei Regensburg) während der Corona-Zeit.“).
Am 18. Juli 2025 war eine lokale Esoterikerin mit einem Vortrag für den MWGFD e. V. auf dem Horsch-Hof vertreten: Kristina Wolff, die eine Praxis „für Naturheilkunde und Heilenergie“ im Gebäude des Regensburger Hauptbahnhofs betreibt und schon während der Hochzeit der Corona-Proteste in Regensburgs verschwörungsideologischer Szene aktiv war, u. a. beim kurzlebigen Zusammenschluss „Gemeinsam für unsere Zukunft“. Wolff referierte laut Ankündigung zu „Long-Covid und Post-Vac – Die verschwiegene Gefahr!“ und beleuchtete dabei „die beiden Krankheitsbilder, einschließlich Shedding und Therapieoptionen.“ Dabei behandelte sie explizit die Angst von „Menschen, die sich selbst nicht mit den COVID-19-Impfstoffen haben infizieren lassen“, die sich aber „vor schädlichen Auswirkungen über Kontakte mit Geimpften“ fürchten, da es gut möglich sei, „dass diese den Impfstoff selbst oder das durch ihn produzierte Spike-Protein an Ungeimpfte übertragen. Diese Übertragung wird häufig als „Shedding“ bezeichnet.“ Als Veranstalter trat der MWGFD e. V. auf, dessen Mitglied Wolff auch ist.


Der MWGFD e. V. (mit Sitz in Passau) ist ein Zusammenschluss von Personen aus Medizinberufen und der Wissenschaft, der während der COVID-19-Pandemie gegründet wurde. Er ist Teil der deutschsprachigen verschwörungsideologischen Szene, zu den bekannteren Mitwirkenden und Gründungsmitgliedern gehören Personen wie Ronald Weikl (Passau), Sucharit Bhakdi, Wolfgang Wodarg, Stefan Homburg und Harald Walach. Der Verein verbreitete wiederholt Falschinformationen bezüglich der offiziellen Maßnahmen zur COVID-19-Pandemie, der Gefährlichkeit des Coronavirus sowie der Sicherheit und Wirksamkeit von COVID-19-Impfungen. In Fachkreisen, Medien und wissenschaftlichen Analysen werden die Positionen des Vereins als pseudowissenschaftlich und als Teil der „Querdenker“- bzw. Coronaleugner-Szene eingestuft. Der Verein verlor deshalb zeitnah nach Entstehen bzw. im Zuge der Entwicklungen seine Gemeinnützigkeit. Auf dem Horsch-Hof können die Mitglieder und Unterstützer:innen verschwörungsideologischer und parawissenschaftlicher Gesundheitsthesen jedoch kostenlos bzw. gegen Spende den Horrorstorys von Impfstoff-Shedding und Gen-Injektionen lauschen.
Gemeinsam in Regensburg // Wirbewegenwas Regensburg
„Hallo zusammen, wir haben in 2025 verschiedene Vorträge organisiert und mit veranstaltet. Wir wollen auch in 2026 wieder Vorträge zu verschiedensten Themen wie Gesundheit, Corona, Klima, Energie oder auch mal nur vergnüglicher Unterhaltung anbieten“, schreibt die kleine und neue Initiative „wir bewegen was – Regensburg“ am 30. November 2025 im Telegram-Kanal „Gemeinsam in Regensburg“. Seit die Corona-Proteste auf der Straße weitestgehend abgeklungen waren, engagiert sich das entsprechende Milieu also in der Organisation „kritischer“ Vorträge und „Bildungsformate“ – und stößt auf dem Horsch-Hof auf offene Ohren.
Einer dieser Vorträge behandelte am 09. Oktober 2025 das Thema „Gibt es eine Klimakrise?“ mit Bernd Fleischmann. „Wie real ist die Klimakrise und die Gefahr durch die Kipppunkte, mit denen die Energiewende begründet wird? Welche Gefahren bestehen für die Natur und unseren Wohlstand, durch den beschlossenen Ausbau von Windparks, Photovoltaikanlagen und die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Stromwirtschaft? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr.-Ing. Bernd Fleischmann in seinem Vortrag“, verspricht der Flyer. Fleischmann betreibt die Website „Klima-Wahrheiten“ (klima-wahrheiten.de) auf welcher Thesen und Inhalte verbreitet werden, die den wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel anzweifeln oder relativieren.
Als Veranstalter:innen der gut besuchten Veranstaltung posieren neben dem Referenten und dem Hofbetreiber Thomas Horsch zwei ebenfalls aus Regensburgs Verschwörungsszene bekannte Gesichter: Martin Breu und Ines Graßl.



Martin Breu war um 2022 bei „Gemeinsam in Regensburg“, einer Initiative verschwörungsideologischer ImpfgegnerInnen und Pflegekräfte aktiv und trat nach außen hin als Organisator der verschwörungsideologisch grundierten Proteste auf. Ab Herbst 2023 beteiligte sich Breu an den AfD-geführten „Regenstauf und Neutraubling stehen auf“-Protesten, unter anderem als Ordner.
Ines Graßl (Lappersdorf, Lkr. Regensburg) war bereits vor der Corona-Pandemie in der Impfgegner:innen-Szene aktiv und organisierte direkt nach ihrem Beginn „Montagsspaziergänge“. Sie beteiligte sich auch an diversen Folgeorganisationen, die sich während der Corona-Jahre aus dem verschwörungsideologischen Milieu speisten. Zudem nahm Graßl an mindestens einem Treffen des „Vaterländischen Hilfsdienst“ teil, einer Organisation aus dem militanten Reichsbürger-Spektrum, die mit Hilfe von Armeekorpsbezirken die „Reorganisation des Vaterlandes“ starten und ein neues „Großdeutsches Reich“ aufbauen will. Passend dazu besucht sie regelmäßig die Veranstaltungen der Regensburger AfD.
Sie mobilisierte zu politischen Aktionen und Veranstaltungen gegen Impfungen in ganz Bayern und ist Mitglied der Facebook-Gruppe „Impfkritisches Regensburg“. Graßl ist Anhängerin der QAnon-Bewegung und verbreitet Inhalte, die von einem „Völkermord für Deutschland“ durch „Asylanten-Invasoren“ nach dem Muster der neurechten Erzählung des „Großen Austausch“ berichten. Die Veranstaltung auf dem Horsch-Hof lobt Graßl im Nachgang mit den Worten „Sehr gelungene und gut besuchte Veranstaltung gestern im Kultur.Gut.Horsch in Schwetzendorf bei Regensburg. Alle Argumente zum menschengemachten Klimawandel (🙄) wurden von Dr.-Ing. Fleischmann überzeugend widerlegt. Nix Weltuntergang…“.



Die Aktivitäten des Ehepaars Horsch: Von Philanthropie zu Putin-Propaganda
Doris Pilhofer-Horsch nimmt am Horsch-Hof die Funktion der Hausherrin und Veranstalterin ein – und als solche bietet sie seit ca. 2006 Kultur auf dem Horsch-Hof. Um 2016 herum beschloss sie nach eigenen Angaben, das Angebot am Hof in Richtung Konzerte und Kunstausstellungen so erweitern. Dabei arbeite sie zum Teil mit einer Regensburger Agentur zusammen, zum Teil übernehme sie die Organisation von Events selbst. Wichtig sei ihr aber schon immer gewesen, dass der Erlös aus den Veranstaltungen an die KinderAidshilfe Südafrika geht. Neben ihrem Engagement in der Mennonitischen Kirchengemeinde ist Doris Pilhofer-Horsch seit über 20 Jahren aktiv für die KinderAIDSHilfe Südafrika, die 2006 das Kinderzentrum Elonwabeni für Aidswaisen in Kapstadt errichtet hat. Der Arbeitskreis der KinderAIDSHilfe Südafrika wurde im Oktober 2001 von der Südafrikanerin Denise Landes und deren Mann Rolf, gemeinsam mit weiteren MitstreiterInnen, darunter Doris Pilhofer-Horsch, in Regensburg ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, Kinder, Mütter, Frauen und Familien, die von HIV/AIDS betroffen sind, zu unterstützen. Seit August 2010 besteht die Initiative als Stiftung KinderAIDSHilfe Südafrika mit Sitz in Regensburg. Im Team des Kinderzentrums Elonwabeni ist auf der Website neben Rolf und Denise Landes auch Doris Pilhofer-Horsch aufgeführt. Doris Pilhofer-Horsch organisierte und begleitete in den letzten Jahren diverse Spendenaktionen für das Projekt in Regensburg. Bei verschwörungsideologischen Protesten oder Organisationen in Regensburg scheint sie dagegen selber nicht aktiv zu sein. Politisch ist Doris Pilhofer-Horsch bei den „Freien Wählern“ (FW) einzuordnen. Für die FW Pettendorf kandidierte die gelernte Sozialpädagogin zur Kommunalwahl im März 2020 auf Platz 10 der Liste. Mindestens bekannt scheint Pilhofer-Horsch über ihr FW-Engagement auch mit Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger zu sein, die ebenfalls aus Pettendorf kommt und ihre politische Karriere in der selben kleinen Freie Wählergemeinschaft im Landkreis Regensburg begann.Schweiger war während der Corona-Pandemie häufiger durch fehlende Distanz zur verschwörungsideologischen Corona-Szene aufgefallen, unter anderem durch ein Treffen mit dem oben genannten Zusammenschluss „Gemeinsam in Regensburg“ im Februar 2022 an der auch Martin Breu teilnahm.



Politischer geht es im Engagement ihres Ehemannes Thomas Horsch zu. Bereits in den vergangenen Jahren nahm Horsch an Demonstrationen der verschwörungsideologischen Szene in Regensburg teil, beispielsweise am 3. Februar 2024 bei Marcel Dold („Kinder stehen auf“) und am 22. Februar 2025 bei der extrem rechten Aktivistin Nadine Alt. 2021 rief Horsch den „Brave Reporter Preis“ ins Leben, wobei „brave“ aus dem Englischen für mutige, tapfere Journalisten steht: „Mit dem Preis will Thomas Journalisten ehren, deren Arbeit Mut erfordert, weil es in unserer Zeit oft Mut braucht, um die Wahrheit berichten.“
Der erste Preisträger war Boris Reitschuster, „der damals wegen seiner sehr guten Covid-Berichterstattung unter Druck stand“, heißt es in Berichten über den Preis. Boris Reitschuster ist Journalist, Blogger und Sachbuchautor. Er gilt als Russland-Experte und war von 1999 bis 2015 Leiter des Moskauer Büros von Focus. Er ist zudem Autor zweier Bestseller über das Herrschaftssystem Wladimir Putins in Russland und betreibt seit 2015 einen YouTube-Kanal und einen Blog, der Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie verbreitete und zu den meistgeteilten „Alternativmedien“ zählt.
Im Jahr 2022 ging der „Brave Reporter Preis“ an Paul Brandenburg – Autor, Arzt und Unternehmer und ebenfalls Verbreiter von verschwörungsideologischen und rechtspopulistischen bis extrem rechten Inhalten sowie Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie. Im Folgejahr 2023 zeichnete Horsch den oben bereits thematisierten MWGFD e.V. für seine „aufklärerische journalistische Arbeit“ mit dem Preis aus. Dessen zweiter Vorsitzender, Ronald Weikl (Passau), nahm ihn als Vertretung für den ganzen Verein an. 2024 erhielt Ferdinand Wegscheider, Programmchef des privaten österreichischen Fernsehsenders ServusTV, den Preis. 2025 zeichnete Horsch Florian Warweg aus, der von 2014 bis 2022 einer der Online-Chefs des russischen Propagandasenders RT DE sowie von 2022 bis 2026 Redakteur des Blogs „NachDenkSeiten“ war. Er soll über die „NachDenkSeiten“ Propaganda für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) betrieben und eine prorussische Agenda verfolgt haben.
Zuletzt, im Sommer 2026, brachte Thomas Horsch den „Brave Reporter Preis“ persönlich nach St. Petersburg (Russland), um Thomas Röper vom „Anti-Spiegel“ für „seine profunde und intensive journalistische Arbeit zu aktuellen Themen, Hintergrundberichte, seine Bücher als eye-opener und Lehrbeispiele zu Geopolitik/Geostrategie, C-Plandemie, Frontberichte, die Beziehungsarbeit zwischen Ost und West u. a.“ auszuzeichnen. Der in St. Petersburg lebende, kremltreue Preisträger betreibt seit 2018 den Blog „Anti-Spiegel“ und verbreitet dort nachweislich falsche Behauptungen, Verschwörungstheorien und russische Regierungspropaganda. Über Horsch berichtet Röper begeistert:
„Vor einigen Wochen hat Thomas Horsch mich kontaktiert, weil er Alina Lipp und mich für unsere Arbeit im Jahr 2025 auszeichnen wollte. Daraufhin haben wir uns auf ein Datum für die Reise geeinigt und vor einer Woche sind Thomas Horsch, Paul Brandenburg und zwei weitere Kollegen nach Petersburg gereist, wo wir eine wirklich tolle Zeit hatten und wo ich den Preis – auch stellvertretend für Alina – entgegengenommen habe. (…) Zu dem Preis gehört normalerweise auch ein Preisgeld in Höhe der Jahreszahl, in dem man ausgezeichnet wird, aber da wir unter Sanktionen der EU stehen, mussten Alina und ich auf das Preisgeld in Höhe von 2025 Euro verzichten, um Thomas Horsch nicht in Schwierigkeiten zu bringen.“


Die ebenfalls ausgezeichnete Alina Lipp ist eine in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine lebende deutsche Bloggerin. Auch sie verbreitet prorussische Propaganda und Falschinformationen im deutsch- und russischsprachigen Raum: Sie betreibt einen eigenen Telegram-Kanal mit rund 187.000 Abonnenten und wurde 2024 für ihre Verdienste als „mutige Journalistin“ mit der staatlichen Puschkin-Medaille ausgezeichnet – die höchste Auszeichnung für kulturelle Leistungen in Russland. Lipp gehört zu den maßgeblichen Köpfen eines Netzwerks, das Menschen aus dem Westen für den Umzug nach Russland gewinnen soll. Im Mai 2025 wurde Lipp vom Europäischen Rat auf die Sanktionsliste der EU gegen Russland gesetzt: Sie soll systematisch Fehlinformationen über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verbreiten, um die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Sie beteilige sich an Handlungen der russischen Regierung, „die die Sicherheit und Stabilität in der Union und in einem Drittland (Ukraine) untergraben oder bedrohen, durch den Einsatz koordinierter Informationsmanipulation und Einflussnahme“. Die EU-Verordnung wirft Lipp weiter vor, als Kriegskorrespondentin mit russischen Streitkräften im Osten der Ukraine in Kontakt zu sein und auf dem Weg Kriegspropaganda zu verbreiten. Dazu trete Lipp regelmäßig in Sendungen des russischen Militärsenders Swesda auf.
Der Profit mit den Energien…
Während im Hause Horsch Preise für vermeintlich profunde journalistische Aufklärungsarbeit gefertigt werden, profitieren die Horschs selber offenbar von einem ganzen Netzwerk von Firmen und Unternehmen, die ausgerechnet durch die vom verschwörungsideologischen Milieu so verhassten und bekämpften erneuerbaren Energien Gewinne erzielen.


Das undurchsichtige Netzwerk, in dem Thomas Horsch, Doris Pilhofer-Horsch, aber auch weitere Personen mit dem Nachnamen Horsch Geschäftsführungsposten bekleiden und Kapitalgeber:innen, Eigentümer:innen usw. sind, umfasst mindestens neun Firmen, deren Unternehmenszweck jeweils der Elektrizitätserzeugung aus erneuerbaren Energieträgern und/oder der Errichtung und dem Betrieb von Windkraftwerken sowie der Produktion und der Lieferung von umweltfreundlich erzeugter Energie, der Erbringung von Beratungsleistungen und der Durchführung von Handelsgeschäften im Bereich der erneuerbaren Energien gewidmet ist. Die Vento Windkraft GmbH & Co. KG beispielsweise, betreibt selber sieben aktive Windkraftanlagen in Aschersleben (Sachsen-Anhalt).
Noch im Jahr 2020 führten Thomas Horsch und seine Frau Doris für die „Freien Wähler“ eine Besichtigung eines Windkraftrads der Horsch Energie GmbH & Co. KG nahe des Weilers Wappersdorf in der Gemeinde Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach durch und diskutierten mit den BesucherInnen energiepolitische Themen. „Thomas Horsch erläuterte im Weiteren die faszinierende Technik und die Hintergründe zum Projekt“ und begleitete die Tour mit seiner Kameradrohne, heißt es im Bericht der FW.
Ob das Ehepaar Horsch angesichts der „überzeugenden Fakten“, die Dr. Bernd Fleischmann in seinem Vortrag zu den Gefahren „für die Natur und unseren Wohlstand, durch den beschlossenen Ausbau von Windparks, Photovoltaikanlagen und die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf Stromwirtschaft“ auf dem Horsch-Hof in Stellung brachte, einen Sinneswandel vollzogen hat und fortan jegliche Einnahmen aus ihren Firmen den Aidswaisen Afrikas zukommen lassen, bleibt offen. Den Kriegswaisen in der Ukraine dürfte durch Thomas Horschs prorussisches Engagement jedoch kaum gedient sein.
