
Zur anstehenden Kommunalwahl tritt die Regensburger AfD nicht nur mit einer Wahlliste für den Stadtrat, sondern auch für die Bewohner*innen des Landkreises für den Kreistag an. Wie schon 2020 haben wir uns die Kandidaturen der extrem rechten Partei etwas genauer angesehen und dokumentieren im Folgenden unsere Ergebnisse und Einschätzungen.
Überblick: Mittfünfziger aus den AfD-Hotspots
Frauenanteil (1)
Der Frauenanteil der 70 Personen umfassenden AfD-Liste für den Landkreis Regensburg ist mit 40% bei dieser Wahl auffällig hoch. 2020 noch konnte die AfD nur 10,5% Frauen aufstellen. Unter den hier genauer betrachteten ersten zehn Plätzen finden sich allerdings nur 2 Frauen, von denen sich lediglich Cecilia Grötschel (Platz 3) Chancen auf einen Platz im Kreistag ausrechnen kann. Ein Blick auf die hinteren Listenplätze offenbart außerdem viele Nachnamen bekannter AfD-Männer – ein Hinweis darauf, dass es sich bei einigen um Gefälligkeitskandidaturen von Ehefrauen, Müttern und Töchtern handeln könnte.
Alter
Teilt man das Alter der 70 Kandidat:innen der AfD-Liste für den Landkreis Regensburg in Zehnerschritte ein, fällt der Großteil der Kandidierenden in die Kategorie 51-60 Jahre. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2020 ist der Altersdurchschnitt der AfD-Kreistagsliste von 50 auf 52,6 Jahre gestiegen. Der Altersdurchschnitt der diesjährigen Stadtratsliste ist mit 54,8 Jahren hingegen noch höher. Die Kandidierenden auf den vorderen Plätzen stehen allesamt noch im Arbeitsleben, Rentner:innen finden sich nur auf den hinteren Plätzen.

Räumliche Verteilung
Am meisten Kandidaturen (9) für den Regensburger Kreistag kommen aus Neutraubling. Dort veranstaltete die AfD in den vergangenen Jahren regelmäßig Kundgebungen und konnte damit scheinbar einiges Klientel an sich binden. Als zweiter Hotspot kann Obertraubling (8) genannt werden, wo besonders die „Nein zum Heim“-Proteste 2023/24 der AfD nachhaltig Personal geliefert haben. Aus Regenstauf kommen 6 Kandidat:innen der Liste. Auch dort hält die AfD regelmäßig Veranstaltungen ab, sowohl Kundgebungen unter freiem Himmel als auch Indoor-Veranstaltungen auf Arnolds Firmengelände. Daneben sind Häufungen in Pentling (5) sowie in Barbing (4) rund um die Platz-3-Kandidatin Cecilia Grötschel zu verzeichnen.
Die ersten zehn Listenplätze der AfD für den Kreistag Regensburg im Einzelnen
1: Dieter Arnold
Auf Listenplatz 1 der Kreistagsliste tritt der mittlerweile langjährige AfD-Kreisverbandsvorsitzende Dieter Arnold an. Seit Jahren ist Arnold die Nr. 1 der AfD Regensburg, sowohl was die öffentliche Wahrnehmung, als auch die interne Hierarchie angeht. Neben seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter ist Arnold auch Mitglied im Bezirkstag der Oberpfalz. Der umtriebige AfD-Politiker ist 1973 geboren, lebt mit seiner Familie (seine Mutter, seine Partnerin und sein Sohn sind ebenfalls auf der Liste vertreten) in Lappersdorf und betreibt die Sicherheitsfirma „Arnold Sicherheit“.
Innerhalb des bayerischen Landesverbands der AfD tobt seit Monaten ein erbitterter Streit zwischen zwei Lagern – dieser brach sich beim letzten Parteitag in Greding im Herbst 2025 bahn. Arnold ist dem Lager um die niederbayerische Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner zuzurechnen, welche intern als (gescheiterte) „Putschisten“ gegen den aktuellen Landesvorstand verschrien sind. Doch auch mit seinem ehemaligen Mentee, Carina Schießl, ist Arnold seit deren Einzug in den Bundestag im März 2025 ordentlich zerstritten. Entlang dieser Konfliktlinien zeigt sich auch in diesem Kommunalwahlkampf, wessen Unterstützung Arnold innerparteilich erhält, bei wessen Kreisverbandsveranstaltungen er als Redner geladen wird und wer wiederum bei seinen Veranstaltungen auftreten darf.
Arnolds Firmengelände in Regenstauf stellt für die Regensburger AfD einen wichtigen Teil der Infrastruktur dar: Vergangenes Jahr ließ er dort einen Containerbau errichten, in dem regelmäßig Stammtische, politische Veranstaltungen und Feiern des Kreisverbands stattfinden. Auch sein Landtagsabgeordnetenbüro ist auf seinem Firmengrundstück verzeichnet.
Zuletzt begleitete Arnold als Teil des Lagers um die Höcke-Vertraute Katrin Ebner-Steiner die Tour des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke durch Bayern. Gemeinsam mit weiteren oberpfälzer AfDlern organisierte Arnold erst am 13. Februar ein „Geheimtreffen“ mit Höcke in Weiden. An jenem Abend griff auch Arnold zum Mikrofon und ließ sich Arm in Arm mit Höcke ablichten.
Arnold schart regelmäßig sehr junge AfDler:innen und Mitglieder der „Generation Deutschland“ um sich (2), beispielsweise den erst 15-jährigen André Damsen und die ähnlich junge Kelheimerin Sandra Piester, als Praktikant:innen im Landtag. Auch den 19-jährigen Jurastudenten Lukas Daiser (Platz 4 der Stadtratsliste) baute Arnold zuletzt auf. Ein weiterer Jung-AfDler, welcher Lukas Daiser beim Gründungstreffen der „Generation Deutschland“ in Gießen (25.11.2025) begleitete und bundesweit wegen des Zeigens der „White Power“-Geste in Verruf gekommen war, ist Hermann Apelhanez. Er fungiert tatsächlich schon seit einiger Zeit als Arnolds Assistent hinter der Kamera und begleitet ihn zu sämtlichen lokalen Parteiveranstaltungen.
Eine umfassende Dokumentation Dieter Arnolds politischer Aktivitäten und inhaltlicher Positionierungen, gerade im Kontext seiner Arbeit im Landtag und dem Bezirkstag, ist an dieser Stelle unmöglich. Zusammenfassend lässt sich aber festhalten, dass er regelmäßig auf Kundgebungen der AfD im Landkreis Reden hält und dabei in abfälliger, hetzender und entmenschlichender Weise über politische Gegner:innen und demokratische Institutionen herzieht. Häufig spricht er beispielsweise von „Politparasiten“. Zwei längere Beispiele aus dem laufenden Wahlkampf:
„Diese Mischpocke da drüben, die sich nur ernährt an unseren Steuergeldern, die hat abgedankt. Dieses System, das ich immer wieder angeprangert habe, ist wie ein Organismus. Ein Organismus kann mit einem Virus, mit einem Parasiten eine Zeit lang klarkommen. Wenn aber irgendwann das zu viel wird, dann passiert folgendes. Entweder der Parasit frisst den Wirt zusammen, der stirbt und solange ich ein offenes Auge habe, wird dieses Land nicht sterben von den Parasiten. Oder er geht zum Doktor und holt sich die Medizin. Und die Medizin ist die AfD. Nur die AfD kann Deutschland noch retten, Leute. Das müsst ihr kapieren.“
(08.11.25 in Neutraubling)
„Das ist keine Demokratie mehr, Leute. Das ist eine ganze kranke linke Diktatur, die wo sie uns aufzwingen wollen und da spielen wir nicht mit, solange ich da stehe! Dieses Land, dieses Land braucht einen eisernen Besen, der von vorn bis hinten durchkehren muss. Der diesen ganzen Rotz aus den ganzen Behörden, aus den ganzen Institutionen, die wo man erfunden hat, um ihre Demokratie jetzt an uns zu verkaufen, ausgekehrt wird. Dieses Land braucht eines, Medizin. Dieses Land braucht Medizin und die einzige Medizin, Leute, hört mir zu, die einzige Medizin, die das Land verdient hat und die das Land braucht, ist die AfD! Sonst nichts!“ (21.02.26 in Regenstauf)


2: Georg Bäumel
Ähnlich wie Arnold auf Platz 1 bildet auch Georg Bäumels Listenplatz 2 dessen Position im Kreisverband gut ab. Als stellvertretender Vorsitzender der Regensburger AfD übernimmt er seit vielen Jahren organisatorische und administrative Aufgaben für Arnold und den Kreisverband und kann als dessen rechte Hand gelten (pun intended). Bäumel ist verbeamtet und arbeitet im Schulamt der Stadt Regensburg. Er ist 1985 geboren, verheiratet und lebt in Obertraubling.
Bäumel tritt auf Kundgebungen der AfD zumeist als Anmelder und Moderator auf, hält aber auch eigene Reden. Während des laufenden Wahlkampfs spricht er häufig über die vermeintlichen Gefahren durch Windkraft und erneuerbare Energien im Allgemeinen. Bevor er die Kommunalpolitik für sich entdeckt hat, präsentierte er als ehemaliger Soldat oft seine vermeintliche Expertise in außen- und verteidigungspolitischen Themen. Dabei teilt er die Russlands Aggression verharmlosende und insgesamt isolationistische Linie der AfD und schlägt auch immer wieder verschwörungsideologische Töne an:
„Auch 2014, Ukraine, war das vielleicht der Putsch, so wie das die Russen sehen? 2015 hat es ein Friedensabkommen gegeben, das war Minsk2. Vor kurzem, letztes Jahr war das, glaube ich, hat die Frau Merkel gesagt: wir haben das Friedensabkommen von Minsk 2 genutzt, um die Ukraine aufzurüsten. Kann das sein, dass das vielleicht die Russen auch mitgekriegt haben, was los war? Kann das sein, dass die Russen mitgekriegt haben, was der Brzezinski in seinem Büchle geschrieben hat? Kann das sein, dass das irgendwer im Auswärtigen Amt gewusst hat? Kann das sein, dass wir das auch vielleicht nicht wissen häten sollten, weil es vielleicht die Medien nicht erzeugen? Kann das sein, dass wir blöd gehalten werden?“ (28.09.24 in Regenstauf)


3: Cecilia Grötschel
Cecilia Grötschel (geb. Arndt) ist 1985 geboren, kommt ursprünglich aus Brandenburg und tritt zu dieser Wahl erstmals für die AfD in Erscheinung. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte bei der Firma Eichinger & Steltzl GmbH, einem Werkzeughersteller, in Barbing.
Auf Listenplatz 3 hat Grötschel gute Chancen auf einen Sitz im künftigen Kreistag. Im Unterschied zu anderen Kandidierenden betreibt sie auch tatsächlich Wahlkampf, ist beispielsweise mit Infoständen im Landkreis präsent. Eine fundierte politische Einschätzung ist schwierig, da sie erst seit wenigen Wochen öffentlich für die AfD auftritt. Einzig einige Social Media Posts gegen Windkraft finden sich in ihren öffentlichen Social Media Präsenzen.


4: Tino Siegel
Ebenfalls aussichtsreich für den Einzug in den Regensburger Kreistag ist Listenplatz 4 für Tino Siegel. Der 1973 geborene Vertriebsmitarbeiter ist bereits seit 2018 AfD-Mitglied. Öffentlich für die AfD in Erscheinung tritt er seit seiner Wahl in den Vorstand des KV Regensburg, zunächst als Beisitzer im Jahr 2023, seit 2025 dann als 3. Vorsitzender.
Gemeinsam mit seiner Frau Susanne Siegel (stellvertretende Schatzmeisterin der Regensburger AfD und Platz 13 der Kreistagsliste) lebt Tino Siegel in Barbing. Er ist vielfältig in der Gemeinde engagiert, beispielsweise als Jugendleiter beim Fischereiverein Illkofen und beim Faschingsverein SV Sarching. Viel brisanter aber, ist ein weiteres „Ehrenamt“, das Siegel zumindest ins Auge gefasst hatte: Als ehrenamtlicher Richter am Regensburger Verwaltungsgericht.
Welchen Schaden er dort hätte anrichten können, zeigt ein Blick auf seine Äußerungen in Sozialen Medien: Immer wieder finden sich vermeintliche Witze und Anspielungen auf das „N-Wort“ und Hetze gegen Geflüchtete. Nicht nur online, auch als Redner auf Kundgebungen der AfD schlägt Siegel in die rassistische Kerbe und spielt verschiedene Gruppen gegeneinander aus. Am 9. November 2024 beispielsweise sagte er in Neutraubling:
„Wir holen uns noch paar rein, die hier nicht arbeiten gehen, die hier keine einzigen Cent in keine einzige Kasse einzahlen, aber die dürfen aus dem Vollen schöpfen. Das hat aber noch nicht gereicht, jetzt haben wir einen Ukraine-Krieg, Gott sei Dank, haben die sich gedacht. Jetzt laden wir die ganzen Ukrainer ein und die können wenn sie hier sind dann sagen: Ich brauch Rente. Wir plündern die Töpfe, die Deutschen können doch buckeln gehen, die sollen weiter einzahlen.“



5: Michael Ofen
Als einziger Bewerber der vorderen Listenplätze hat der LKW-Fahrer und Pettendorfer Michael Ofen (Jahrgang 1967) bereits Erfahrung als Kreisrat. Da die AfD in den Kreistag – im Unterschied zum Stadtrat – im Jahr 2020 in Fraktionsstärke eingezogen ist, konnte Ofen sogar den Posten des Fraktionsführers für sich beanspruchen. Für die AfD ist Ofen schon länger tätig, war beispielsweise von 2021 bis 2023 Protokollführer im Vorstand des Kreisverbands Regensburg.
Im Unterschied zu den meisten anderen Kandidierenden und Mandatsträgern der AfD ist Ofen tatsächlich kommunalpolitisch engagiert: Er brachte immer wieder Anträge in den Kreistag ein, beispielsweise zu Zeiten der Corona-Pandemie (Ofen war damals selbst an verschiedenen Corona-Protesten beteiligt) gegen „völlig sinnlose Impfzentren“ oder gegen eine „unnötige Aufblähung des sozialen Bereichs“. Dass die AfD-Fraktion unter Ofen schon seit Jahren den Landkreispass abschaffen will, passt da nur allzu gut. Ähnlich laut wie gegen alles Soziale und Sozialarbeiterische tönt Ofen im Kreistag – wer hätte es gedacht – gegen „Ausländer“. Im von Ofen 2023 eingebrachten Antrag „Aufnahmestopp für Migranten“ heißt es beispielsweise:
„Eigentlich erübrigt es sich für vernünftige, informierte Menschen, hierüber überhaupt zu diskutieren, die negativen Folgen der offenen Grenzen zeigen sich jeden Tag und das unübersehbar: – Knapp die Hälfte aller Hartz IV Bezieher (inzwischen Bürgergeld) sind Ausländer – Ungefähr ein Drittel aller Straftaten in Bayern werden von Ausländern begangen (Zitat Innenminister Herrmann). In beide Zahlen sind Menschen mit Migrationshintergrund nicht eingerechnet. Deutschlandweit ist knapp jeder zweite verurteilte Mörder ein Ausländer“
Trotz seiner politisch recht eindeutigen Linie scheint Ofens Inszenierung als besonnener Kommunalpolitiker tatsächlich gut aufzugehen: Immer wieder postet er Bilder von kommunalpolitischen Events, zu denen die AfD-Fraktion scheinbar unterschiedslos eingeladen wird, beispielsweise zum Luftgewehrschießen unter der Schirmherrschaft von Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler). Gerüchteweise halten auch Kreisräte anderer Fraktionen wenig von einer kommunalen „Brandmauer“ zur AfD.
Dass Ofen keine nette Ausnahme innerhalb der extrem rechten Partei ist, beweist auch sein überregionales Engagement für die AfD: Schon mehrfach war er Schriftführer bei den Landesparteitagen der bayerischen AfD in Greding. Außerdem nahm er des öfteren am „kommunalpolitischen Forum“ teil, welches verschiedene Gliederungen und politische Mandatsträger (EU, Landtag) der AfD zur Schulung ihrer Kommunalpolitiker:innen organisieren. Bei dem Vernetzungstreffen von kommunalpolitischen Funktionär:innen diverser rechtsextremer Europäischer Parteien finden sich Mandatsträger:innen der extrem rechten Fraktion „Identität und Demokratie“ (ID) des EU-Parlaments, darunter Vertreter der österreichischen FPÖ, der italienischen Lega und des französischen Rassemblement National sowie des Vlaams Belang (Belgien).




6: Michael Bruno
Der 1980 geborene Michael Bruno lebt in Obertraubling arbeitet bei der dort ansässigen Spedition Streit. Bis zu seiner Kandidatur trat vor allem seine Frau Jeanette Bruno (Listenplatz 18) öffentlich für die AfD auf: Seit 2025 ist sie kooptiertes Mitglied im Vorstand des Regensburger Kreisverbandes. Auch sie arbeitet mittlerweile bei der Spedition Streit.
Ende 2023/Anfang 2024 waren Michael und Jeanette Bruno in Obertraubling an der rassistischen Initiative „Nein zum Heim“ beteiligt, die gegen eine Geflüchtetenunterkunft im Ort mobilisierte.


7: Christian Lotter
Auf Platz 7 kandidiert Christian Lotter aus Kallmünz/Schirndorf. Der 1980 geborene Maurer ist in diversen Vereinen aktiv, beispielsweise als Gewässerwart beim Bezirksfischereiverein Burglengenfeld e. V., bei der Freiwilligen Feuerwehr Kallmünz und sogar als Vorsitzender der OPEL-Freunde Kallmünz e. V.
Lotter ist ein ambitionierter Demo-Gänger: Besonders während der Corona-Pandemie nahm er an den extrem rechten Corona-Protesten in Schwandorf teil, die damals vor allem vom AfD-MdB Reinhard Mixl und Neonazis wie Patrick Schröder (NPD, FSN) geprägt waren. Dass Lotter sich (auch) einem neonazistischen Milieu zugehörig zu fühlen scheint, legt auch die Tatsache nahe, dass er sich in der Öffentlichkeit mit einem Shirt der NPD zeigt.
Auch auf Kundgebungen der AfD Regensburg, bei Bauernprotesten, „Fridays for Hubraum“ oder was auch immer die extreme Rechte zeitweise antreibt, zeigt sich Lotter als Unterstützer. Wenn er sich nicht gerade zu Hause seinem Opel oder seinen Reptilien widmet, treibt es den leidenschaftlichen „Böhse Onkelz“-Fan auf Festivals oder Auto-Treffen unter freiem Himmel.


8: Reimund Hünn
Mit Reimund Hünn findet sich auf dem kaum mehr aussichtsreichen Listenplatz 8 ein gesichtsloser Kandidat. Der 1961 geborene Kfz-Meister lebt in Wörth und führte viele Jahre eine eigene Kfz-Werkstatt. Mit seiner Frau Cornelia betrieb er außerdem einen Neu- und Gebrauchtwagenhandel in Wörth an der Donau. Inzwischen führen sein Schwiegersohn Stefan und seine Tochter Daniela den Autohandel als „AUTO HÜNN OHG“ ohne den Senior, der sich offenbar der extrem rechten Kommunalpolitik verschrieben hat.
9: Matthias Müller
Matthias Müller auf Listenplatz 9 zählt mit dem Geburtsjahr 1996 zu den jüngsten Kandidierenden der AfD-Kreistagsliste. Der Montagefacharbeiter, der nach eigenen Angaben bei BMW arbeitet, lebt mit seiner Frau in Altenthann und spielt Fußball beim SSV Brennberg. Seine anvisierte Karriere als Kommunalpolitiker der extrem rechten AfD scheint er nur durchschnittlich engagiert zu verfolgen. Auf AfD Veranstaltungen posiert er jedoch gerne mit Parteifunktionären und -promis.


10: Sandra Seibold
Auch Sandra Seibolds Kandidatur auf Platz 10 scheint wenig ambitioniert. Die 1967 geborene Pflegeassistentin ist verheiratet und lebt in Lappersdorf/Kareth. Ihr letztes öffentlich verfolgbares kommunales Engagement als Schriftführerin eines SSV Jahn Fanclubs liegt weit über zwanzig Jahre zurück. Heute sucht man vergeblich nach irgendeinem kommunalpolitischen Programm oder gesellschaftspolitischen Anliegen bei der knapp Sechzigjährigen.


Ausblick & Einschätzung
Im Regensburger Kreistag besetzt die AfD seit der letzten Kommunalwahl vier Mandate und hat damit auch Fraktionsstatus inne. Wahrscheinlich ist, dass die AfD dieses Ergebnis von 2020 im März 2026 übertreffen wird und mehr als vier Sitze erreicht. Auffällig ist, dass von den bisherigen Kreisräten nur der Fraktionsführer Michael Ofen wieder auf einem aussichtsreichen Platz kandidiert. Von den restlichen drei Kreisräten kandidiert nur Norbert Jörss (Neutraubling) auf dem aussichtslosen Platz 20 wieder. Die farblosen AfD Kreisräte Armin Bauer und Markus Meier (beide Regenstauf) treten nach der aktuellen Legislaturperiode gar nicht erst erneut an.
Besonders zeigt sich unserer Analyse nach, wie sehr es der Regensburger AfD seit der Zeit vor der Corona-Pandemie gelungen ist, sich weitere Milieus, beispielsweise die der „Montagsspaziergänge“ und „Nein zum Heim“-Initiativen, zu erschließen und sich an bestimmten Orten wie Regenstauf und Neutraubling durch permanente Kundgebungen zu etablieren. Das unterstreichen auch die Tatsachen, dass die AfD eine Liste mit 70 (!) Namen für den Kreistag aufstellen konnte und, dass der Regensburger AfD-Kreisverband mittlerweile als mitgliederstärkster Bayerns gilt.
Verhindern lässt sich der Einzug einer AfD-Fraktion in den Regensburger Kreistag nun nicht mehr. Umso wichtiger, dass die demokratischen Fraktionen und die Regensburger Öffentlichkeit sich einer weiteren Normalisierung extrem rechter (Kommunal-)Politik entschlossen entgegenstellt.






Fußnoten:
(1) Hinweis zur Erfassung: Prozentzahlen wurden aufgrund der männlich oder weiblich gelesenen gesellschaftlich definierten Vornamen erfasst. Eine Erhebung des sozialen Geschlechtes, bzw. auch einer Selbsteinordnung und eine Ausdifferenzierung der biologischen Geschlechter konnte aufgrund fehlender Befragung nicht erfolgen.
(2) Während Arnold den politischen Einsatz von Teenagern für die rechtsextreme Partei scheinbar zu jeder sich bietenden Gelegenheit fördert, ist die vermeintliche „politische Indoktrination“ an Schulen und der damit vermeintlich verbundene Verstoß gegen das Neutralitätsgebot durch Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus an/durch Schulen eines von Arnolds Steckenpferden. So hatte er beispielsweise einen Regensburger Schulleiter beim Kultusministerium angeschwärzt, weil der vor dem Rechtsradikalismus der Partei gewarnt hatte.
